Wertstoffe

Gerade erst in der brand eins gelesen, dass der Schrottpreis auf einem Rekordhoch liegt. Heute auf dem Weg zur Müllverbrennungsanlage kam ich dann hautnah in Berührung mit den Auswirkungen: Neben der Auto-Warteschlange, die sich hier mittags immer bildet, liefen mehrere Personen offensichtlich ausländischer Herkunft entlang, schauten interessiert in jedes Auto, und klopften ab und zu an die Scheiben. Nicht jeder reagierte darauf. Als ich an der Reihe war, wusste ich zuerst nicht, was genau der Mann mit seinen Worten und Gesten ausdrückte, bis mir klar wurde: Mein altes Bügeleisen. Ist kaputt, sagte ich. Egal. Auch meine verrostete Gußeisenpfanne wurde erbeten. Jetzt verstand ich, und bot der kleinen Gruppe auch noch eine alte Bestecksammlung an, die dankbar entgegen genommen wurde, sowie zwei Lautsprecherboxen. Ja, bei dem derzeitigen Preis für Altmetall lohnt sich so eine Sammlung. Doppelverdienende Kinderlose wie wir schmeißen diesen Wohlstandsmüll gedankenlos weg, dabei können andere Leute sich damit noch etwas Geld verdienen. Und ich vermisse es nicht; bin ja froh, dass jemand damit noch was besseres anfangen kann, als es zu verbrennen. Da ich gerade von einer Spende an Oxfam kam, war ich sowieso in Geberlaune.

Ketzerischer Gedanke: Wenn die Sammler mit gekämmten Haaren und sauberer Kleidung aufträten, würden bestimmt noch mehr Menschen die Autoscheibe runterkurben, wenn es klopft…

Kleine Räume, kleines Kleid

Derzeit und in den nächsten Wochen leben wir räumlich etwas begrenzt auf anderthalb Zimmern, und der größte Teil unserer Sachen befindet sich bereits in Umzugskartons. Der begrenzte Raum und die begrenzten Mittel zwingen mich zu sorgfältigerer Planung, und vor allem dazu, nach dem Arbeiten immer alles sofort wegzuräumen. Eine ungewohnte Situation für mich, nach den Jahren des Luxus, mit der ich bislang aber sehr gut zurecht komme. Ich hoffe, diese Lage hält mich auch davon ab, Ufos zu produzieren, wie dies in den letzten Monaten wieder viel zu oft passiert ist. Wie ich gerade heute in einem sehr schönen Artikel über den inneren Schweinehund gelesen habe, besteht Disziplin ja oft genug nur aus vier Wänden und viel Zeit… 😉

Mein Kleid nähert sich jedenfalls der Vollendung; Belege sind festgenäht, Saum umgenäht, jetzt muss ich nur noch die Träger auf die richtige Länge kürzen, dann ist mein Sommerkleidchen fertig. Mal sehen, ob ich das im frischen Hamburg je tragen kann 😉

Außerdem habe ich ein Shirt zugeschnitten, und zwar ein rückenfreies nach Burda 7830. Ich brauche es für einen bestimmten Anlass, und dieses WE, wenn ich kurzfristig Zugang zu meiner Ovi habe, muss ich es zusammen nähen, weil das vermutlich die letzte Gelegenheit sein wird. Eventuell kommt noch ein Rockteil dran. Drückt mir die Daumen!

Was von der Arbeit übrig blieb…

Bleistiftstummel

… neben der Erinnerung an mehr als fünf schöne Jahre und nette Kollegen und Vorgesetzte, sind diese Bleistiftstummel.

Ein gewisser Medienbruch erforderte das regelmäßige Abschreiben von Informationen vom Bildschirm, um diese später wieder einzutippen. Eine gelegentlich recht meditative Tätigkeit…

Diese Gelegenheit habe ich genutzt, um meine gesammelten Bleistifte aufzubrauchen. Ich habe nämlich – neben Stoff und Schokolade – ein kleines Faible für Schreibwarenläden, und als Jugendliche habe ich eine Zeitlang Bleistifte gesammelt (neben Steinen, Muscheln, Murmeln, Glanzbildchen, Comics etc.). Da ich seit der Schulzeit aber kaum noch Bleistifte brauche, lagen diese mehrere Jahre in meinen Schubladen und warteten auf ihren Einsatz.

Nun, in den letzten fünf Jahren habe ich sie fast alle aufbrauchen können. Dank der genialen Erfindung der Bleistiftverlängerung, ganz oben im Bild, kann man sie bis auf einen sehr kurzen Stummel noch bequem bis fast zum Ende gebrauchen. Altmodisch, aber extrem nützlich.

Jetzt überlege ich, was ich mit diesen Stummeln anfange. Ich bringe es nicht übers Herz, sie einfach wegzuschmeißen. Vorschläge werden dankend entgegengenommen. 🙂

Mal sehen, welche Arbeitsmittel den neuen Job prägen werden… 🙂

Ein Schritt weiter

Karierte Stoffe schneide ich am liebsten zu; an den Linien kann man sich so gut orientieren. Es braucht etwas länger, aber ich stehe ja nicht unter Zeitdruck. Da ich ein asymmetrisches Karo habe, habe ich zuerst überlegt, ob ich gegengleich zuschneiden soll. Bei dem Seersucker könnte ich die linke Seite genauso verwenden wie die rechte, da der Stoff anscheinend garngefärbt ist. Aber ich habe es dann erstmal mit dem „normalen“ Zuschnitt versucht. Hier das Vorderteil mit der schräg zugeschnittenen Passe, provisorisch mit Nadeln gesteckt:

Kleid Vorderteil

Ich denke, das kann man so lassen, oder? 🙂

Kleidsam

Nicht zu fassen, mal wieder ein richtiger Näh-Beitrag! 😀

Im Hobbyschneiderin-Forum gibt es jeden Monat ein Motivations-Thema, und im Juni sind Kleider das Thema. Und es sieht so aus, als ob ich zum ersten Mal „richtig“ daran teilnehmen könnte.

Bereits in der März-Ausgabe der Burda hatte es mir das Modell 102 angetan, ein schlichtes Etui-Kleid mit Längsteilungsnähten, einer oberen Passe und Trägern. Zum einen ist es recht hochgeschlossen, was Frauen mit „wenig Charakter“ 😉 entgegenkommt, zum anderen hat es eine hintere mittlere Naht und zwei hintere Abnäher; alles Sachen, die ich gut für das Anpassen meines Hohlkreuz´ brauchen kann.

Aufgrund meiner Proportionen habe ich in Brust und Taille Größe 36 auskopiert, und bin in der Hüfte auf Größe 40 gegangen. Bei der Anprobe des Folienmodells mit Hilfe meines Nähkränzchens zeigte sich wie erwartet die Notwendigkeit einer keilförmigen Abnahme im Rücken für das Hohlkreuz, und um die Hüfte herum war es noch ein wenig eng. In der hinteren Mitte habe ich dann einen Quer-Abnäher in der Gesamtbreite von einem inch = 2,54 cm weggenommen, und habe die Hüfte nochmals auf Größe 42 erweitert.

Heute habe ich dann meinen Probestoff zugeschnitten und genäht. Hier die Fotos:

102 Probemodell vorne

102 Probemodell hinten

Weil ich mir die Träger gespart und es statt dessen nur vorne am BH festgepinnt hatte, hängt es auf dem Foto von hinten ein wenig zur Mitte durch, daher die Schrägzüge. An der vorderen oberen Kante war es noch etwas weit, da habe ich noch zwei kleine Abnäher hinzugefügt, die ich gleich noch in das vordere Passenteil übertragen und zulegen muss. Außerdem hatte ich die Seitennähte oben noch etwas enger abgesteckt.

102 Probemodell vorne neu

Aber das lasse ich vielleicht lieber, falls ich mal ein T-Shirt unterziehen möchte, habe ich mir dann überlegt.

Mein Originalstoff ist ein blau karierter Seersucker. Die Teilungsnähte werden darin wohl kaum zu sehen sein; ich überlege, ob ich den Stoff mindestens in der Passe quer oder schräg zuschneide, damit die besser zur Geltung kommt. Im Original ist die Passe mit Quernähten zur Zierde abgesteppt, aber das würde ja in einem bunten, karierten Stoff optisch vollkommen untergehen. Ja, ich glaube, schräg zuschneiden ist eine gute Idee, das lenkt den Blick nach oben und von der breiteren Hüfte ab.

Schön zu erkennen auf den Fotos auch meine linke Schulter, die höher ist als die rechte, wenn ich sie nicht bewusst „fallen lasse“. Meine Wirbelsäule ist schon immer krumm; eine leichte Lordose (Hohlkreuz) und eben die Skoliose (Seitverkrümmung). Und je älter ich werde, desto deutlicher zeigt sich das leider. Ich glaube, ich werde mal meinen Arzt fragen, ob ich unterschiedlich hohe Schuhe brauche oder sowas – ich will in zwanzig Jahren nicht aussehen wie Quasimodo. 😉