Panem et circensus

Oder wie hieß das noch gleich? Wobei ich hier nur ein Brot habe, nicht mehrere. War ja auch nur ein Testlauf. In einem Koch-Beitrag bei der Hobbyschneiderin kam ich auf den Ausdruck „biga“ und habe beim chefkoch.de danach gesucht. Und dann fand ich dieses interessante Rezept für ein italienisches Brot, das ich sofort ausprobieren musste. Und obwohl ich so ziemlich alles falsch gemacht habe, was man falsch machen kann, hat es auf Anhieb funktioniert!

Ich habe den Vorteig mehr als zwei Tage gehen lassen, dann habe ich Vorteig und neue Zutaten in eine große Plastikschüssel gefüllt und das Brot darin gehen lassen. Aus der hohen Schüssel bekam ich es kaum noch heraus, und der Teig klebte an dem Plastik, so dass es überhaupt nicht, wie vorgeschrieben, die Form halten konnte. Ein bisschen zuviel Salz ist auch drin, weil es mit einer 20-Gramm-Einteilung ziemlich schwierig ist, fünf Gramm abzuwiegen. (Ich hatte nur die Hälfte des Teiges probiert.) Und richtig vorgeheizt war der Backofen auch nicht.

Naja, jedenfalls hat es allen Mordversuchen widerstanden und ist trotzdem sehr essbar und lecker geworden. Ich hatte öfter schon mal Versuche im Brotbacken gestartet, aber so eine schöne Krume hatte ich noch nie! Und das mit quasi null Arbeit; es machte sich fast von alleine! Muss daran liegen, dass es ein Weizensauer ist; ich habe 550er Weizenmehl verwendet; die sind anscheinend einfacher als Roggen- oder Vollkornsauerteige.

Von dem „biga“ habe ich noch etwas im Kühlschrank; mal sehen, ob ich mir daraus einen langfristig lebensfähigen Weizensauerteig züchten kann. 🙂

Fäden ziehen

Nicht nur im Berufsleben ist das Fäden ziehen eine nützliche Tätigkeit, auch beim Nähen kann das manchmal weiterhelfen. Zum Beispiel bei rutschigen Gardinenstoffen. Ich habe die höchste Achtung vor den Tausenden von Raumausstattern, die ihre Tage damit verbringen, diese rutschigen Stoffe zu bändigen und vor allem gerade Nähte an ihnen zu produzieren. Die „hohen“ Preise für die Anfertigung von Gardinen und Vorhängen sind meines Erachtens nach mehr als berechtigt! Jeder, der schon mal selbst meterweise Voilé vernäht hat,wird mir zustimmen.

Aber wir wären ja keine Hobbyschneiderinnen, wenn wir uns nicht auch daran mehr oder weniger lustvoll versuchen würden. In diesem Fall eindeutig weniger lustvoll, denn ich schiebe das Gardinen nähen nun schon mehrere Wochen vor mir her, aber gerade eben hat es mich gepackt. Das schwierigste ist ja immer, die untere Kante gerade abzuschneiden und zu nähen, damit die Dinger auch gerade hängen, und hier kommt das Fäden ziehen ins Spiel. Los geht’s:

Zuerst legt man den Stoff gerade hin und bestimmt die Länge, an der später abgeschnitten werden soll.

(In meinem Fall liegt der Stoff auf einem Bügelbrett, dessen Muster durchscheint, also wundert euch nicht über das komische Blumenmuster hinter dem Kannen- und Becher-Motiv. Außerdem musste ich bei einigen Bildern den Blitz abschalten, weil der helle Stoff sonst zu sehr reflektiert; daher sind einige Bilder gelbstichig und nicht hundertprozentig scharf, weil ich zu faul war, das Stativ aufzustellen.)

Die gewünschte Länge sind 90 Zentimeter.

Endpunkt markieren, z.B. mit einer quergesteckten Nadel.

Bei diesem eher grob gewebten Stoff sind die Kett- und Schussfäden deutlich erkennbar, aber auch bei dichter gewebten Stoffen wie den typischen Gardinen-Voilés kann man das ganz gut erkennen. Mit einem Pfeiltrenner löst man einen Querfaden – nur einen! – aus dem Verbund heraus. Am besten macht man dies in ca. 2 cm Entfernung vom Rand, dann hat man gleich etwas Länge zum Festhalten.

Hier ist der herausgelöste Faden gut zu sehen.

Nun zieht man sehr vorsichtig an dem Faden; der Stoff kräuselt sich dabei.

Mit der einen Hand hält man den Faden fixiert,  mit der anderen Hand kann man nun den gekräuselten Stoff von dem Faden wegschieben, dann wieder den Faden anziehen, so dass der einzelne Faden immer länger, der Stoff immer kürzer wird. Sehr vorsichtig immer weiter so verfahren, und den gekräuselten Stoff immer in kleinen Abschnitten zum entgegengesetzten Stoff-Ende hin wegschieben. Wenn man Glück hat, kann man so den kompletten Faden herausziehen. – Wenn nicht, ist das aber auch nicht so schlimm. Wie man hier sieht, kann man auch bei gerissenem Faden gut erkennen, wo es weiter geht: Links ist der Faden gezogen, rechts ist er noch drin.

Erneut mit dem Pfeiltrenner den gewünschten Faden herauspulen:

Weiter verfahren wie oben beschrieben, bis der komplette Faden herausgelöst ist. Hier habe ich den Stoff ausgebreitet; man erkennt sehr gut, wo der eine Faden fehlt. Gleichzeitig kann man hier die Qualität des Druckmotives erkennen – das Muster verläuft genau waagrecht zu den Fäden, und läuft nicht schräg nach oben oder unten weg. (Bei dem Preis kann man das auch verlangen…)

Nun kann man recht einfach, aber vorsichtig, mit Schere oder auch Rollschneider in der Lücke zwischen den Schussfäden entlang schneiden.

Voilá! So einfach ist das. 🙂

Bevor man den Saum näht, werden aber in der Regel erst die Seitennähte genäht. Mit Hilfe des genialen Kantenformers von modii konnte ich auch diesen flutschigen Stoff halbwegs gerade umbügeln. Leider tauchte beim Nähen der Kante ein großes Problem auf: Der Stoff zog sich zusammen und schlug Wellen; sowohl beim durchgenähten Zickzack als auch bei einem langen Geradstich. 🙁

Das passiert gerne bei solchen dünnen, feingewebten Stoffen. Es gibt verschiedene Lösungsansätze, unter anderem auswaschbares Vlies oder Sprühstärke. Letztere scheidet bei einem Kunstfaser-Stoff wie diesem natürlich aus. Hmmm, ich hab doch da gerade ein neues Saumgerät mit Differential erworben… Hehehe!

Funktioniert! 😀

Ich dachte eigentlich, dass ich die langweilige Strafarbeit des Gardinen nähens hinter mich bringen muss, bevor ich endlich meine neue Cover für schöne T-Shirts einsetzen kann. Dass ich die so schnell wieder benutzen kann, hätte ich nicht gedacht. Nein, ich beschwere mich nicht. 😀

Neue Mitbewohnerin!

Ich hab´s getan! *kreisch* 😀

Um die Cover bin ich innerlich schon länger herumgeschlichen, und neulich hat mich der Haben-Wollen-Virus mal wieder besonders heftig gepackt. Und da ein gut sortierter Händler einen ausgesprochenen Kampfpreis angeboten hat, konnte ich mich nicht mehr beherrschen und habe zugegriffen. Meine erste neue Maschine, die ich online gekauft habe, und ich war ziemlich nervös, ob das alles so klappen würde! Im Telefonat machten sie einen sehr netten Eindruck, also mal bestellt, und jeden Tag mehrmals auf der Homepage eingeloggt und nachgeschaut, ob es schon eine Tracking-Nummer für den Versand gibt. Nach drei Tagen war immer noch nichts zu sehen und ich fing schon an, mir Sorgen zu machen. Doch dann komme ich am Samstag mittag von meinem Laufkurs nach Hause, und zack, da war sie schon hier! Cool! 🙂

Da wir den ganzen Samstag Nachmittag bis nachts dann aber unterwegs waren, musste ich noch etwas länger warten. Und heute habe ich dann erst einmal mein Nähzimmer wieder auf Vordermann gebracht, denn der Raum war so vollgestellt und unsortiert, dass ich nicht treten konnte, geschweige denn irgendwo eine große Maschine hinstellen; und bei der Gelegenheit direkt die Standorte eines Regals und der Stoffkommode wieder zurück getauscht. Dann, endlich, konnte ich sie aus ihrer Verpackung schälen!

Überraschung, ab Werk sind schon vier sparsam befüllte Konen drauf. Wie praktisch. Ich hab mich dann trotzdem noch nicht getraut, damit zu nähen, und mir erstmal die Bedienungsanleitung durchgelesen. Zugegeben, das tue ich bei jedem neuen Teil vorher, aber hier war es wirklich Verzögerungstaktik. Dann der große Moment, Stecker rein, eingeschaltet – *bibberzitter* soll ich wirklich?! Erstmal ein paar Stiche mit dem Handrad gebildet – geht gut, also mal vorsichtig das Pedal angetippt, huch! Sie funktioniert! 😀

Mehr hab ich mich immer noch nicht getraut, aber ich freue mich schon so… Ich werde alle meine Jersey-Stoffe zu Tops und T-Shirts verarbeiten und dann einen ganzen Tag lang nur Säume nähen! *grins*

Dass eine Cover nur einen Unterfaden hat, wußte ich bislang noch gar nicht; ich dachte, sie hat wie eine Ovi auch zwei. Und leichter einzufädeln ist der eine auch noch. Sehr schön. 🙂

Gerade habe ich mir mit offener „Motorhaube“ und Drehen am Handrad angesehen, wie die Verschlingung unterhalb der Stichplatte gebildet wird – mannomann, das ist eine ganz schöne Präzisionsarbeit! Da ist ja kein Zehntelmillimeter Spiel möglich, wie es aussieht! *merken: Wie ein rohes Ei behandeln!*

Zum Lieferumfang gehört neben der Maschine und dem Standardzubehör, das in einem eigenen Kästchen kommt, auch der Klarsichtfuß – ein viel nachgefragtes Extra für diese Maschine – und die Saumführung, sowie eine DVD, die einem dieses und weiteres Zubehör erklärt, sprich, Kaufanreize bietet. 😉 Eine Abdeckhaube ist auch noch dabei. Da bin ich bei der Ovi schon immer zu faul, die aufzusetzen, aber vielleicht sollte ich mir das doch besser mal angewöhnen…

Im Forum hatte ich auch schon öfter die Frage gelesen, wie man die Fäden am Nahtende löst und sichert, und natürlich auch die Antwort darauf. Auch das funktioniert einwandfrei! *freu*

Hach, ist das schön, wenn sich so ein lang gehegter Wunsch erfüllt! 🙂

Nähen für Jederfrau

Die (noch) aktuelle Ausgabe 9/09 der „BRIGITTE“ hat nach langer Zeit wieder einmal Schnittmuster zu bieten. In meinem Nähforum wurde deren Abwesenheit in den letzten Jahren stets beweint, weil sie laut zahlreicher Aussagen so einfach gewesen wären und immer gut gepasst hätten. Ich als Nachgeborene kann davon leider kein Zeugnis ablegen; umso neugieriger war ich auf die aktuelle Ausgabe.

Tja – ich hatte mir so etwas schon gedacht. Ich zitiere mal aus den Beschreibungen der Modelle:

„Locker fallend – überschnittener Arm – Taille mit Gummizug – weiter Rock – Bund mit Gummizug – um die Hüfte gewickelt – weites Kleid mit Falten – der Schnitt von Vorder- und Rückenteil ist gleich (*grusel*) – leichte A-Form – ultraweite Hose – Pumphose mit Gummizug am Saum – extra tiefer V-Ausschnitt – überlange Ärmel…“ und so weiter und so fort. Mit anderen Worten, quasi-formlose Säcke, die nur mit Gummizug, Gürtel und Wickeltechnik auf Figur gebracht werden (können).

Nichts gegen weite Kleidung – für den Sommer und am Strand sicher perfekt geeignet! Wohldosiert eingesetzt, in Beachtung der eigenen Proportionen, eine schöne Ergänzung für jede Garderobe. Und gerade Nähanfängerinnen werden die einfachen und paßform-unsensiblen Schnitte zu schätzen wissen, ersparen sie doch genau diese nickeligen Kleinigkeiten, die das Nähen sonst so schwierig werden lassen, wie z.B. Abnäher, Knopfleisten, Reißverschlüsse, ganz zu schweigen von eingehalten eingesetzten Ärmeln, die auch auf meiner Hass-Liste ganz, ganz oben stehen, oder gar der Notwendigkeit, einen Schnitt an die eigene Figur anpassen zu müssen, wo das Verstecken unter dem Stoff doch so viel einfacher ist.

Wer sich darüber im Klaren ist, und keine hohe Schneidertechnik erwartet, wird hier gut bedient. Bei Problemen mit dem Schnittbogen, der sämtliche 14 Modelle auf einem A1-Blatt enthält, und den recht knapp gehaltenen Anleitungen gibt es ja immer noch das Internet. 😉

Wenn ich so ein Heft zu Beginn meiner Schneiderkarriere in die Hände bekommen hätte, wäre ich bestimmt sehr begeistert gewesen, weil die Modelle wirklich so aussehen, als ob man das auch als ambitionierter, aber recht blutiger Laie hinbekommen könnte. Ich selbst bin inzwischen ein wenig weiter, aber für ein schnelles Sommer-Teil für den Strandurlaub würde ich das ein oder andere Modell auch jetzt noch gerne in Betracht ziehen. Und schließlich hat jeder mal klein angefangen – wer schon immer mal Lust zum Nähen hatte, sich aber bislang nicht getraut hat, bekommt hier vielleicht den entscheidenden Schubs. 🙂

Prilblumen-Tasche

Mein Mann nannte das Muster spontan „Prilblumen“, und er hat ja auch Recht. 😉

Aber süß ist es, oder? 🙂

Da der Stoff recht viel Stand hat, habe ich statt Einkräuseln lieber Kellerfalten gelegt; vorne eine, und hinten zwei. Die Naht zwischen Ober- und Unterteil habe ich mit rotem Baumwoll-Schrägband besetzt, von dem ich noch einen Rest in der genau passenden Länge hatte. Und da ich so gute Erfahrungen bei meiner ersten Einkaufstasche damit gemacht habe, habe ich auch hier wieder zwei verschieden lange Henkelpaare angebracht. So sieht also meine Version von Gretelies‘ Tasche aus. 🙂

Meine Bluse nähert sich auch der Fertigstellung; es fehlen nur noch Knopflöcher und Knöpfe. Ich glaube, ich werde mal nach so einer Knopflochmesshilfe schauen; das Abmessen und Einzeichnen von Hand ist so mühsam und fehleranfällig…