Mein Schatz…

.. oder vielmehr, meine Schätze:

Am Wochenende hat die Nähmesse in Hamburg stattgefunden. Darauf aufmerksam wurde ich über die Werbung im ÖPNV; dort wurde der Wettbewerb Das Hamburger Nähtalent, bei dem man ein selbstgenähtes Kleidungsstück einreichen kann, beworben. Ich hatte gleich eine hübsche Idee, aber der Zeitmangel verbot es mir, an die Teilnahme auch nur zu denken. Aber die Idee ist gespeichert; mal sehen.

Die Nähmesse bezeichnet sich ziemlich selbstbewusst als „einziges Event“ in Deutschland, das ein umfassendes Angebot für Neueinsteiger und Profis bietet. Das bezieht sich hauptsächlich auf das Workshop-Angebot der beiden Tage, das unbestritten sehr vielfältig war: Vom Dessous nähen über Taschen, Röcke, Loops bis zu speziellen Verarbeitungstechniken wie Schrägstreifen und Paspeln ist alles dabei. Über 50 Workshops (einige davon mehrmals) an den zwei Tagen, das dürfte wirklich nicht so schnell zu toppen sein!

Mich selbst haben, wie meistens, mehr die Stoffhändler interessiert; gut 30 an der Zahl. Viele aus Land und Umland, aber auch einige von auswärts; und eine gute Mischung an Stoffen und Zubehör. Konkret gesucht habe ich zwei graue Stoffe für ein ganz besonderes Kindersweatshirt, sowie einen Ergänzungsstoff für mich, einen Jersey als Bund für eine Leinenhose. Da wurde ich auch in allem fündig:

Links oben im Bild seht ihr die zwei grauen Stoffe; zwei ganz wunderweiche Bio-Jerseys vom Pumuckl Stoffversand mit kuscheliger Rückseite, genau richtig für den Zweck. Rechts daneben ein hellblauer Jersey. Ich habe ein blaues Glanzleinen, das ich derzeit gerne zu einer Leinenhose mit Jerseybund verarbeiten würde. Den passenden Blau-Ton zu finden ist so gut wie unmöglich. Auch der jetzige ist nicht so das Gelbe vom Ei; vielleicht weiche ich doch besser auf ein sehr helles Grau aus. Da muss Mahler mal zeigen, was die Palette zu bieten hat.

Dann haben mich außerplanmäßig noch zwei süße Stöffchen angesprungen, die „meins“ geschrien haben: Links unten ein Jersey mit Elfen-Aufdruck. Ich bin ja nun alles andere als der Rosa-Niedlich-Typ, aber dieses vergleichsweise schlichte Design hat mich spontan angesprochen. Es ist ein Rest von 0,5 Meter, und ich habe gerade schon einen speziellen, selbst entworfenen, Schnitt dafür in Arbeit. Lasst euch überraschen!

Ja, und dann ein weiterer Digitaldruck, wie sie gerade immer noch so schwer in Mode sind, und lustigerweise auch wieder mit einem Vogel-Motiv. Ich habe schon zwei andere Digitaldruck-Jerseys, einer mit Flamingos, einer mit Papageien. Bunte Vögel bieten sich als Motiv für diese Technik ja wirklich an, und mit dem schwarzen Untergrund hier kommen die Farben so richtig knallig raus, genau richtig für mich. Da war einfach kein Liegenlassen möglich! Mitgenommen habe ich ihn von Niccoel.

Tja, und dann… kam ich am Stand von „Knopf Jakob“ vorbei (leider ohne Website!). Und da war es schon wieder und ganz unerwartet um mich geschehen:

Dreißiger Jahre Art deco-Knöpfe und Brosche. Ori-gi-nal! Seit einiger Zeit schon schwirrt mir der Gedanke an ein Flapper-Kleid im Kopf herum, und diese Knöpfe haben spontan ein Bild von dem Kleid mit Knöpfen und Brosche und passender Tasche vor meinem inneren Auge erstehen lassen. Es kann sich nur noch um Jahre handeln, bis ich dazu komme, auch diesen Traum zu verwirklichen, aber wenn es dann endlich soweit ist, bin ich bestens vorbereitet, ha! 😀

Hier findet man übrigens einen sehr interessanten Artikel über einen der Eigentümer, Reinhold Jakob:
http://www.buerstaedter-zeitung.de/lokales/buerstadt/lebenslauf-wie-vor-100-jahren_14515496.htm

Der Weg zur Messe war lang, da sie von uns aus fast am entgegen gesetzten Ende dieses Landes liegt; ich habe über eine Stunde gebraucht, um von Bergedorf nach Schnelsen zu kommen. Diese Location kannte ich noch gar nicht, und so war es bei dem guten Wetter auch mal ganz interessant, noch ganz fremde Stadtteile zu bereisen, von denen wir hier ja mit 150 an der Zahl reich gesegnet sind. Der Weg hat sich auf jeden Fall sehr gelohnt!

Und ich habe tatsächlich in den letzten Wochen noch ein genähtes Teil fertig stellen können:

Ein Shirt nach meinem inzwischen recht beliebten Schnitt Jalie 2793, hier in einer gekürzten Version als Shirt, wieder ohne Bindebänder. Beim Zuschnitt musste ich stückeln, und die Ärmel mit einer mittleren Naht zuschneiden, und deren Rückseite sieht auch anders aus als die Vorderseite, sonst „wäre es sich nicht ausgegangen“, wie meine Freunde aus Österreich das immer so liebenswert formulieren. Aber im Stückeln bin ich ganz gut und mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden!

Bitte entschuldigt das schlechte Handybild; aber im Moment ist meine Devise, lieber überhaupt ein Foto als gar keines… 🙂

Fix zusammengerührt

Ein schnelles, kleines Projekt, das mir völlig ungeplant zwischen die Finger kam, ist diese einfache Abdeck-Haube für unsere Küchenmaschine.

Eigentlich hatte ich den Hamburger Stoffladen „Fadenlauf„, den ich noch nicht kannte, aufgesucht, um mich über die Nähmöbel von Rauschenberger näher zu informieren. Nach dem ausführlichen Gespräch, für das der engagierte Mitarbeiter sogar extra bei RMF anrief, um eine meiner Fragen klären zu können, stöberte ich noch durch die reichhaltige Stoff-Auswahl. Hier hat es wirklich alles, was das Herz begehrt; Kinderstoffe, Damenstoffe, sehr schöne Jerseys, Biostoffe, Quilt- und Patchwork, die Auswahl war unüberschaubar.

Da ich eigentlich nicht noch mehr Stoffe brauche 😉 ließ ich die Verlockungen auf den Ballen liegen. Aber bei den Rest-Stücken wurde ich dann unerwartet schwach – normalerweise gehöre ich so gar nicht zum Typus Schnäppchenjäger. Aber dieser Jersey hier, genau meine Farben, tolles Muster, die Menge ausreichend für ein Shirt, der musste mit. Und hier eine Seide, auch genau meins, ausreichend für ein luftiges Oberteil – gute Qualität zum günstigen Preis, wer kann da schon Nein sagen? Und dann fiel mir noch ein Stück intensiv-blaues Mischgewebe in die Hände; von der Menge her gerade ausreichend für die Haube, die schon seit 10 Jahren auf meiner inneren to-do-Liste steht, und für 3 Euro – klarer Fall!

Und manchmal schaffe ich es ja sogar, einen Stoff auch sehr schnell zu verarbeiten. Gewaschen und getrocknet war die neue Beute schnell bei dem Wetter, und weil ich nach dem langwierigen Hosenrock-Projekt mal wieder Lust auf ein schnelles Erfolgserlebnis hatte, habe ich mir kurzerhand das Maßband geschnappt und die Küchenmaschine ausgemessen. Ein Päckchen rotes Nahtband fand sich in meinen ererbten Vorräten, perfekt. Damit wurde es wenigstens zur Hälfte zum UWYH-Projekt.

Genäht war das Teil recht schnell; ein durchgehender Streifen für das Mittelteil, zwei Seitenteile eingesetzt. Nahtzugaben nach außen und Nähte und Saum mit dem Nahtband eingefasst, schon fertig. Ein kleiner Henkel obendran, damit man sie leicht abnehmen kann. Innerhalb von etwa drei Stunden hatte ich ein weiteres Problem mit Stoff gelöst; die Küchenmaschine hat jetzt eine vernünftige Abdeckung, die sie vor dem küchen-üblichen Staub und Fettfilm schützt – perfekt! 😀

Vom Ufo zum Lieblingsteil

Das ging schnell! Gestern und vorgestern machte ich mich daran, das erste der lange vergessenen Ufos endlich fertigzustellen. Weil das blaue Shirt damals schon weiter gediehen war, fing ich mit diesem an.

Die gerundeten Einsätze oben, die auch die Rückseite zieren, habe ich bei diesem Versuch ein wenig faltenfreier einsetzen können. Diese gegenläufig gerundeten Nähte sind wirklich schwierig zu nähen; ich habe mich sehr bemüht, nicht am Stoff zu ziehen und ich vermute, das war einer der Fehler damals. Beim zweiten Einsatz habe ich die Nahtzugabe des weißen Einsatzes noch eingeschnitten in der Rundung, damit es sich noch besser formen lässt; das hat auch ein wenig was gebracht. Ein bisschen habe ich ja gelernt in den letzten Jahren!

Den Halsausschnitt habe ich mit meiner quick and dirty-Einfass-Methode verarbeitet: Einfass-Streifen rechts auf rechts annähen, nach innen unten umschlagen (die Breite der Nahtzugabe kann man hier frei wählen; ich habe sie ein wenig schmaler gemacht als sonst, ca. 7 mm statt 10) und von rechts entlang der ersten Naht hier mit einem schmalen (3er) Zickzack feststeppen (ansonsten geht auch Geradstich exakt im Nahtschatten); innenliegende offene Nahtzugabe knappkantig vorsichtig abschneiden, fertig. Spart das fummelige millimeter-genaue Einschlagen der zweiten Kante und bei dem Jersey macht es optisch auch von innen keinen wesentlichen Unterschied, finde ich, sofern man beim Abschneiden sauber vorgeht.

Dann kam mir die Idee, das gleiche bei den Ärmelsäumen zu machen; gottseidank habe ich in meinem Regal noch einen Rest von dem weißen Stoff gefunden, aus dem ich die Streifen schneiden konnte.

Und dann kam mir die Idee, die Zickzack-Absteppung auch bei den Einsätzen zu machen und so zum einen diesen Stil noch zu betonen, die Nahtzugaben glatt zu legen (sozusagen eine Art falscher Flatlock) und gleichzeitig durch leichtes Dehnen des Stoffes die Wellenbildung wieder ein bisschen auszugleichen. Worked like a charm!

Jetzt bin ich total verliebt in das Shirt <3 und finde, dass es mit jedem gekauften Sport-Shirt locker mithalten kann; sowohl, was den Stil, als auch was das Material angeht, das sich - zumindest bislang vor dem Rechner 😉 - ganz wunderbar trägt! Der Schnitt ist übrigens einer der verblichenen "neue mode Stil"-Firma, die Nummer lautet M23223. Und nein, den verkaufe ich ganz sicher nicht so schnell! 😉 (Ich meine, dass die sogar noch im Geschäft sind, aber sie verkaufen leider keine Einzelschnitte mehr so wie früher.) Wobei ich hier zwei Schnitte verhochzeitet habe; das Passen-Detail stammt von NM, der größte Teil des restlichen Schnittes ist dann mein bewährter Jalie 2212. Ich kann es kaum erwarten, nächste Woche mit dem Lauftraining zu beginnen und den Praxistest zu machen! Meine blöde Mandelentzündung und der Schnupfen haben mich leider um zwei Wochen in meinem Zeitplan zurückgeworfen...

Zitronengelbes knock-off (kein Designer)

Im Zuge der Aufarbeitung meiner Altlasten habe ich mir als nächstes ein gar nicht so altes Ufo vorgenommen. Im Februar hatte ich das Glück, bei meinem Lieblings-Dealer Mahler Stoffe einen zitronengelben Jersey zu finden. So einen suche ich schon ewig, denn die meist nur angebotenen warm-gelben Töne stehen mir nun mal nicht so gut. Ich wusste sofort, was ich daraus machen wollte, nämlich, eines meiner Lieblings-Shirts zu kopieren:

Rechts seht ihr das weiße Original, links mein nachgebautes Teil. Zugegeben, kein Designer-knock-off, sondern Massenware, aber der Stil dieses Shirts hatte mir immer schon so gut gefallen; ist mal was anderes.

Mein Jalie 2005-Schnitt erwies sich als fast passgenaue Vorlage; ich habe nur einige Zentimeter aus der vorderen Mitte herausgenommen, da das Kauf-Shirt tatsächlich noch enger ist als der Schnitt.

Danach habe ich das Vorderteil auf das Original-Shirt gelegt und die Linie des Ausschnitts nachgezeichnet. Nicht vergessen, die Nahtzugabe wieder hinzuzufügen, sonst wird der Ausschnitt größer als beabsichtigt!

Das gleiche habe ich dann beim Rückenteil gemacht:

Und dann noch beim Kragen. Da hatte ich zuerst einen Fehlversuch, bis ich darauf kam, wie ich den Kragen legen muss, um ihn in einem Teil abzeichnen zu können; so, dass die Bruchkanten von hinterer Mitte und vorderer Kante erhalten bleiben:

Die obere Kante ist der gefältelte Ausschnitt in der vorderen Mitte, die untere Kante ist die hintere Mitte. Zugeschnitten werden dann zwei Teile dieser Art, wobei die Bruchkante die am Schnitt-Teil bezeichnete ist. Die beiden Teile werden dann zuerst in der hinteren Mitte bei einfacher Stofflage zusammengenäht, dann an der Bruchkante gefaltet, so dass die Naht der hinteren Mitte innen liegt.

Ein Bild mit Folie drauf fehlt, aber hier seht ihr das fertige-Schnitt-Teil:

Die untere Kante habe ich dann in Falten gelegt. Da mein Jersey etwas dicker ist als das Original, wollte es mir nicht gelingen, drei Falten zu legen; also blieb es bei nur zweien. Fixiert habe ich das ganze mit meiner bewährten Tesafilm-Methode*, und dann habe ich die Falten mit dem Dreifach-Stepp-Stich kurz neben der Nahtlinie auf der Nahtzugabe fixiert. So ist sichergestellt, dass beim Einnähen des Einsatzes in den Ausschnitt die Falten nicht verrutschen.

Die Ecken vorne unten habe ich nicht ganz perfekt hinbekommen, aber beim Tragen fällt es kaum auf und für den ersten Versuch bin ich recht zufrieden. Und inzwischen habe ich bei einem anderen Shirt die sehr einfache Methode angewandt, diese Ecke vorher von Hand vorzuheften; so gelingt es dann beim nächsten Mal garantiert!

Der Rest ist dann das übliche T-Shirt, wobei bei diesem Modell natürlich erst die Schulternähte geschlossen werden müssen, dann wird der Kragen eingenäht, dann Ärmel einsetzen, untere Ärmel- und Seiten-Nähte in einem Rutsch schließen, säumen. Den Kragen kann man natürlich auch erst ganz am Schluss einsetzen, aber ich denke, bei offenen Seitennähten ist das einfacher zu handhaben.

Und warum war das Teil ein Ufo? Nun, ich hatte durch das lange Liegenlassen vergessen, mit welcher Nahtzugabe ich die Teile zugeschnitten hatte. Genäht habe ich dann mit meinen üblichen 0,5 Zoll-Zugaben. Das Shirt wurde dann allerdings so wurstpellen-eng, dass es sogar mir zu viel war, und das will schon etwas heißen! Da hatte ich wohl doch mit dem kleinen Rollschneider und der Zugabe von nur 1 cm zugeschnitten? Möglicherweise ist auch die unterschiedliche Dehnbarkeit von Original und meinem Stoff ein Punkt; da habe ich gar nicht verglichen. (Merke: Immer vorher nachmessen!) Jedenfalls hatte ich zum Nähen ein Garn verwendet, das farblich so haargenau passte, dass das Auftrennen des Dreifach-Geradstichs in dem Jersey kein Zuckerschlecken war. Faul, wie ich war, hatte ich nämlich zum Nähen nicht meine Ovi verwendet, deren Stich ja vergleichsweise einfach zu trennen ist, sondern die normale Nähmaschine. Und dieser Stich sitzt so tief im Stoff drin, dass er unter normalen Umständen schon schwer zu trennen ist, vor allem aber dann, wenn man das Garn farblich nicht vom Stoff unterscheiden kann! Das hatte ich also ewig vor mir hergeschoben, jetzt aber endlich mal nachgeholt. Nach kaum einem halben Tag Auftrennen von Nähten und Säumen, neu nähen und neu säumen, ist es nun auch schon fertig! Der Sommer kann kommen!

* Mir fällt gerade auf, dass ich anscheinend noch gar keinen Beitrag über diese Methode hier veröffentlicht habe. Das hole ich dann demnächst mal nach!**

** Dank der großartigen Maria hat sich der Beitrag über die Tesafilm-Methode doch wiedergefunden, und zwar hier:
http://stichelstube.capricorna.de/wordpress/2014/04/23/kleben-und-kraeuseln/
Dankeschön! 🙂

Kleine Geschenke…

.. erhalten die Freundschaft, sagt man. Was machen dann eigentlich große Geschenke? 😉

Eine liebe Freundin war letztes Jahr begeistert von meiner rot-weiß-karierten Fahrradkörbchen-Tasche. Auf Nachfrage, was genau ihr daran so gut gefiel, nannte sie zum einen Farbe und Muster und zweitens die Größe. Ah, Idee!

Schon ewig habe ich auf meiner Festplatte das damals kostenlose Schnittmuster für die „Hobo Bag“ von HotPatterns schlummern, und jetzt bot sich eine geeignete Empfängerin. Rot-weiß-karierten Stoff hatte ich von der Frankreich-Fahrt noch hier liegen. Und so machte ich mich mit großer Freude an die Anfertigung der Tasche! Gleichzeitig qualifiziert sich dieses Projekt auch als „Use what you have“ – win-win!

Die Anleitung hat einen winzigen, unproblematischen Fehler*, ansonsten lief alles sehr glatt. Die Anleitung ist sehr ausführlich und gut bebildert; ich liebe den intelligenten Schnitt und dass es drei kleine Innentaschen gibt, gefällt mir auch sehr gut. Gerade bei einer so großen Beuteltasche ist das sehr nützlich!

Von außen sieht sie, ziemlich unspektakulär, so aus:

Hier ein Versuch, die Innenansicht mit den zwei offenen Innentaschen zu zeigen; der weiche Baumwollstoff macht das etwas schwierig:

Hier die kleine Reißverschlusstasche auf der gegenüberliegenden Seite:

An der Unterseite treffen die rautenförmigen Teile zusammen, das sieht auch sehr hübsch aus:

Die Träger-Teile habe ich komplett mit einer leichten Vlieseline verstärkt; die vier Unterteile zusätzlich mit einer dünnen Näh-Einlage, um dem Boden einen Hauch von Standfestigkeit zu geben, ohne den „slouchy look“ zu sehr zu beeinträchtigen.

Die Empfängerin hat sich sehr über die Tasche gefreut, und ich hoffe, dass sie ihr viele Jahre gute Dienste leisten wird! 🙂

* In Bild Nr. 7 werden die Unterteile mit den aufgesetzten Taschen gezeigt; das ist falsch, hier werden die Teile ohne die Taschen verwendet. Die Teile mit den Taschen wurden ja bereits im Schritt davor verarbeitet.

Wonach man nicht sucht…

… das findet man.

Neulich, bei meinem Besuch bei Attia Stoffe in Frankfurt, sprang mich dieser Digitaldruck-Dekostoff an. Der kam mir wie gerufen – zum einen werde ich daraus neue Tischsets machen, denn die mit der Londoner-Straßenkarte haben sich nach mehrfachem Waschen leider so sehr verzogen, dass sie nicht mehr glattzubügeln sind. Ich nehme an, dass mein Futterstoff die Temperaturen nicht vertragen hat.

Und außerdem kam mir direkt auch die Idee, diesen Stoff als Oberstoff für meine in Arbeit befindliche Handtasche zu verwenden. Nach einem Tag Näh-Marathon seht ihr oben das Ergebnis. 🙂

Ich Dussel hatte das Futter mit den Innentaschen schon wieder komplett geschlossen; das musste ich jetzt wieder aufmachen, um das Futter in einem Rutsch mit der Maschine an den inneren Beleg annähen zu können. Bei der ersten Version hatte ich das noch von Hand anstaffiert, aber das ist recht schnell ausgerissen. Diesmal habe ich stärkeren Futterstoff verwendet (Mantelfutter-Dicke), die obere Kante mit Vlieseline verstärkt und mit dem Stretchstich der Maschine angenäht.

Außerdem habe ich die aufgesetzte Tasche für das Portemonnaie sehr viel größer und tiefer gemacht, damit dort nicht noch zusätzlich Zug entsteht, jedesmal, wenn ich es dort hinein stopfe. Ich hoffe, alle diese Maßnahmen zusammen tragen diesmal zu einer längeren Lebensdauer bei.

Die Kette als Träger ist noch eine Notlösung; ich brauche die Tasche fertig für eine Dienstreise in der kommenden Woche, und schaffe es nicht mehr, noch richtige Träger zu nähen. Die Kette ist zu kurz, zu laut und zu unpraktisch, aber als Notlösung wird das für ein paar Tage gehen müssen. Detail-Fotos wird es später hier noch geben.

Primaballerina-Täschchen

Man soll es nicht glauben, aber dieser kleine Kulturbeutel hat mich einige Nerven gekostet.

Oben im Bild seht ihr vorne das „Original“; ein Give-away einer nicht näher genannten Bekleidungsmarke. Diese kleine Tasche habe ich nun schon einige Monate als Kulturbeutel im Gebrauch. Die Größe reichte so gerade eben aus, aber ein bisschen größer wäre schon nett… Und vielleicht noch ein paar Einteilungen innendrin für die Kleinteile?

Dann fiel mir letzte Woche beim Aufräumen ein Stoff-Set von FunFabric in die Hände, aus dem eigentlich mal eine Geldbörse werden sollte. Das Kaufdatum liegt sage und schreibe sieben Jahre zurück und der Schnitt der Geldbörse ist längst zu klein geworden für mein zunehmendes Karten-Sammelsurium. Ein geeigneter Kandidat für mein laufendes „Use what you have“-Projekt!

Die Nylon-Stoffe sahen strapazierfähig genug aus für meinen Zweck, und den Schnitt habe ich so gerade eben aus der begrenzten Menge herausschneiden können. Um beim Oberstoff zu sparen, habe ich Vorder- und Rückenteil im Bruch zugeschnitten; die Futterteile einzeln, um die Wendeöffnung zu haben.

Auf die Innenfutter habe ich je zwei kleinere Fächer aufgenäht. Auf der einen Seite eine Tasche aus Netz, die ich mit einer Quernaht in ein größeres und ein kleineres Fach unterteilt habe. Auf der anderen Seite zwei einfache Eingrifftaschen übereinander. So sehen die beiden Futterteile dann vor dem Zusammennähen aus:

Beim Oberstoff habe ich dann die Seitennähte geschlossen, bei den Futterteilen die Seitennähte und die Seiten der unteren Naht, um eine Wendeöffnung in der Mitte zu haben. Die unteren Ecken habe ich jeweils schräg zur Naht abgenäht, um das Taschen-Volumen zu erzeugen.

Danach wollte ich dann den Reißverschluss zwischenfassen. Tja, hm. Leichter gesagt als getan, wenn der RV nicht teilbar ist – technisch einfach nicht machbar. Und einen breiten, teilbaren Kunststoff-RV in 20 cm Länge bekommt man nur auf Bestellung mit Wartezeit in darauf spezialisierten Online-Shops, aber nicht im Stoffladen vor Ort.

Nach kurzem inneren Kampf – naja, mehr ein „immer wieder Rumprobieren und feststellen, dass das einfach nicht klappen kann“ – habe ich dann in den sauren Apfel gebissen und den Fadentrenner zur Hand genommen. Quer durch die Naht und ritsch! Schon war ein Riss im Oberstoff. Nein! Auch das noch!

Ein Tag Pause, um die Frustration zu verarbeiten. Noch ein Tag, um zum Entschluss zu kommen, das Beste daraus zu machen. Der Riss war nicht sehr groß und am Rand, also habe ich dort mein Label aufgenäht; da passt es ganz gut hin.

Eine schnelle Internet-Recherche brachte mich dann auf die HandmadeKultur-Website, mit einer ganz hervorragenden Video-Anleitung, wie man eine gefütterte Tasche mit RV näht. Merke: Erst recherchieren, dann machen!

Mit der Anleitung hat es dann sehr gut geklappt. Meine Ecken mit dem kleinen Streifen über dem RV sind nicht so schön wie im Original, weil mein Stoff dafür zu schmal zugeschnitten war, und auch zu dick, um ihn so schön flach zu legen wie eine dünne Baumwolle, aber es sieht alles sauber aus, funktioniert, und die Größe ist auch okay. Da ich den Oberstoff nun doch zweiteilen musste, ist sie einen kleinen Tick kürzer geworden, aber ich hatte genug Reserve drin, dass wenigstens das kein Problem war.

Hier seht ihr die fertige Tasche von innen, oben die Netzfächer, unten die aufgenähten Eingrifftaschen:

Sie ist bereits im Dienst, und erfüllt selbigen sehr gut.

Warum ich sie Primaballerina nenne? Erinnert sich noch jemand an das schöne Reinhard Mey-Lied? Du bist die Primaballerina meiner Nerven…? 😀

Meine große Handtasche wird dafür noch etwas länger dauern als geplant. Meine Bekleidungsstoffe sind sämtlich nicht strapazierfähig genug, um längerfristig als Taschenstoff zu dienen. Da muss ich mich nach einer anderen Lösung umschauen.

Giorgios Kleid

Nicht Anton, sondern Giorgio

Ziemlich spontan hatte ich vor circa zwei Wochen Lust bekommen, meine zwei gepunkteten Armani-Jerseys zu verarbeiten, die ich vor fast genau einem Jahr gekauft hatte. Seit dem Kauf hatte ich immer wieder überlegt, wie ich die beiden Punkt-Muster in einem Kleidungsstück kombinieren könnte, und auf einmal kam mir die Idee dazu!

Als Grundlage diente mir Jalie 2793, eigentlich eine Tunika. Ich hatte mir vor drei Jahren schon einmal ein kleines Sommerkleidchen daraus genäht, indem ich den Saum einfach verlängert hatte.

Für meine aktuelle Version habe ich das gleiche gemacht. Außerdem habe ich die Bindebänder weggelassen, da sie mich bei meinem blauen Kleid eher stören – die meiste Zeit verbringe ich nun mal sitzend, und so ein Knoten im Rücken ist nicht sehr angenehm.

Um mein Hohlkreuz ohne den Gürtel ein wenig auszugleichen, habe ich meine bewährte quick and dirty-Lösung angewendet, und nur das Rückenteil in der Taille etwas stärker eingekurvt als das Vorderteil. Es liegt jetzt im Rücken nicht hauteng an, aber das würde mein Hohlkreuz auch wieder stark betonen; mit dem gegenwärtigen Kompromiss bin ich zufrieden.

Den vorderen Ausschnitt-Besatz habe ich weg konstruiert, indem ich Besatz und oberes Vorderteil zusammengelegt habe, damit es zu einem Teil wird. Daran habe ich dann nach der Anleitung von Gilewska aus ihrem Schnittabwandlungen-Buch einen kurzen Kimono-Ärmel hinzukonstruiert. So habe ich ein oberes Vorderteil geschaffen, das keine Teilungsnähte hat, um die größeren Punkte besser zur Geltung zu bringen.

Damit die Ausschnittkante gut aussieht, habe ich sie komplett mit einem breiten Besatz verstürzt, den ich in der Empire-Naht mitgefasst habe.

Das Taillenband habe ich gedoppelt, damit es auch von innen schön sauber aussieht.

Die Weite unter der Brust habe ich mit der hier geschilderten Methode eingekräuselt; das fällt bei dem Muster kaum auf und ist bequem.

Ärmel und Saum sind gecovert; um den flutschigen Jersey dabei auf keinen Fall auszudehnen, habe ich diesen mit Vliesofix fixiert. Das funktionierte wie immer sehr gut und er fällt auch nach dem Nähen immer noch schön weich.

Insgesamt habe ich einiges an Arbeit hineingesteckt, und ich denke, das Ergebnis ist es wert. Mein Label auf dem inneren Halsausschnitt-Beleg anzunähen hat mir richtig Spaß gemacht!

Da ich sowohl Stoff als auch Schnitt schon hier vorliegen hatte, fällt dieses Kleid außerdem in die Kategorie „use what you have“ – es fällt zwar nicht wirklich auf, dass im Regel jetzt zwei Stoffe weniger liegen, aber ich freue mich, dass mir hier eine gute Stoff-Schnitt-Kombi gelungen ist. Ich hoffe, für die anderen Bestände habe ich weiterhin so ein gutes Händchen! Und von dem groß gepunkteten Jersey habe ich noch so viel übrig, dass es noch für ein Top reichen dürfte.

Gegen das Chaos in der Handtasche

oder: Blau, blau, blau, sind alle meine Zaubertäschchen!

Nachdem der erste Versuch mit dem Zaubertäschchen so gut geklappt hatte, habe ich mir heute drei weitere Versionen aus schönerem Stoff angefertigt. Es sind alles Reststoffe von fertiger Kleidung; zufällig auch drei meiner Lieblingsstücke.

3 blaue Zaubertäschelchen

Verschluss ebenfalls wieder mit je zwei KamSnaps. Ich glaube, ich muss meine Farbauswahl dieser Teile doch mal vergrößern; mein Bestand beschränkt sich derzeit auf Schwarz, Weiß und Grau…

Die drei Taschen kümmern sich nun in meiner großen Handtasche um meine Technik, Haar- und Körperpflege, also z.B. Kopfhörerkabel, Haargummis, Lippenpflegestifte etc.

Roter Flitzer

Hüte Dich vor Unternehmungen, die neue Kleider erfordern, wie der gute Oscar Wilde einmal gesagt haben soll. Nun, ziemlich viele meiner Sachen nähe ich für bestimmte Anlässe, und mir macht gerade das großen Spaß!

Mein jüngstes Ergebnis ist ein recht schnell zusammengeschustertes, rückenfreies Kleid. Das Rückenfreie war das gesuchte key feature, und da kam mir sofort das sommerliche Wickelkleid aus der diesjährigen Juli-Burda in den Sinn.

Wickelkleid, Rückansicht

Der Schnitt ist einfach, wie oft bei den Sommerkleidern von Burda; hier wird eindeutig mehr Wert auf die Möglichkeit des schnellen Nähens am Abend vor der Abfahrt in den Sommerurlaub gelegt, als auf eine raffinierte Konstruktion, geschweige denn hochwertige Verarbeitung. Also genau, was ich gerade brauchte – vom Stoffkauf bis zur Fertigstellung in vier Tagen, das dürfte mein Rekord sein! 😀

Der Schnitt besteht aus zwei Rechtecken, die mit einer vorderen respektive hinteren mittleren Naht zusammengenäht werden, je nach Trageweise. Diese Naht dürfte alleine der Tatsache geschuldet sein, dass Stoffe idR nicht so breit liegen, wie das Kleid im fertigen Zustand sein wird, nämlich zwischen 146 und und 186 cm, je nach Größe, und so die nötige Quer-Dehnbarkeit erzielt wird, die man für die Wickelung benötigt.

Burda empfiehlt das Zusammennähen rechts auf rechts und zusammengefasstes Versäubern der Nahtzugaben. Ich habe statt dessen hier eine französische Naht gearbeitet, da ich das bei einem leicht transparenten Stoff wie diesem schöner finde.

Laut Schnitt werden dann sämtliche Außenkanten einmal umgebügelt und festgesteppt; dies habe ich nur bei den Seitennähten und der oberen Saumkante getan. Zum einen kann der Saum so freier fallen, finde ich, zum anderen werde ich eventuell die „vordere“ Saumkante in einer Rundung kürzer schneiden, und ein solcher runder Saum ist schwierig zu versäumen.

Um den „Neckholder“ zu produzieren, schneidet man einfach in einiger Entfernung von der oberen Kante eine kurze Quernaht in den Stoff. Burda empfiehlt dann, die Kanten mit transparentem Gummi zu benähen. Seltsam fand ich die Angabe, dass dieses Band 80 cm lang sein soll, wenn die Kantenlänge am Kleid (in meiner Größe) nur 74 cm beträgt. Ich bevorzuge es, Kanten mit leicht gedehntem Band einzufassen, damit sie möglichst glatt anliegen.

Da mein transparentes Elastik-Band von Goldzack leider an Altersschwäche gestorben war, suchte ich in meinem Bestand nach einer Alternative und fand glücklicherweise einen Rest Organza-Falzgummi in genau passendem Rot, das aber sowas von die richtige Länge hatte! In der Tat war es eigentlich sogar zwei cm zu kurz, aber die kurzen Kanten des Bandes habe ich dann einfach kurz übereinander gelegt und nicht eingeschlagen. Das Band hatte dadurch genau die richtige Länge, nämlich 10 % weniger als die Ausschnittkante.

Bei der Länge des Einschnittes ist Vorsicht geboten! Die von Burda für meine Größe empfohlene Länge stellte als sich zu lang heraus; gut, dass ich das am Probemodell feststellen konnte! Wenn der Schnitt zu lang ist, rutscht der Ausschnitt nämlich zu tief; das hinterher vorzeigbar zu fixen, ist dann so gut wie unmöglich. Ich habe den Einschnitt daher statt der angegebenen 18,5 nur 14 cm breit gemacht, was gerade noch kurz genug war. Auch die Dehnbarkeit des Stoffes spielt hier natürlich eine Rolle. Daher meine ausdrückliche Empfehlung: Lieber erstmal zu kurz anfangen, anprobieren und ggf. den Einschnitt erweitern, als direkt komplett aufzuschneiden. Mein Einschnitt ist, vermutlich auch durch das Einfassen mit dem Band, nun eigentlich sogar einen Tick zu kurz, aber das ist jetzt erstmal nicht zu ändern, und immer noch besser als ganz im Freien zu stehen… Sobald ich wieder mal Organza-Falzgummi bekomme, werde ich das womöglich noch etwas ändern.

Alle Nähte und Säume habe ich mit dem durchgenähten Zickzack meiner Pfaff NähMa angefertigt, weil der diesen elastischen Stoff am wenigsten zusammenzieht. Meine Janome Cover hat in diesem Punkt leider kläglich versagt! (Langsam frage ich mich, was ich mit einer Maschine soll, die gerade bei elastischen Stoffen, wo man sie am meisten benötigen würde, aufgibt.)

Der Stoff, den ich verwendet habe, ist ein stark dehnbarer Mesh. Empfohlen wird leichter Jersey; er sollte unbedingt von der sehr dünnen, fludderigen Qualität sein, da die Wickelung und der Knoten sonst zu dick werden würden. Der normaldicke Jersey, egal, aus welchem Material, wäre für dieses Kleid definitiv zu dick. Seidenjersey wäre die edelste Alternative, alternativ kann ich mir sonst auch einen Stretchtüll vorstellen. Da ich diesen auf die Schnelle nicht bekommen habe, musste ich auf diesen bi-elastischen Mesh-Stoff ausweichen, Material (leider) 100 % Polyester.

Bei Bijou Brigitte fand ich einen passenden dünnen Armreif in silber in einem Set von insgesamt 5 Reifen; die Reifen waren damit teurer als der sehr preiswerte Mesh. Aber das sind wir ja gewohnt, dass die Kurzwaren immer teurer sind… 😉

Die Fotostrecke zeigt das Kleid, oder besser Kleidchen, am Strand, und mit seinem freizügigen Schnitt in dem dünnen Stoff ist das Kleid mMn am besten für solche legeren, sexy Gelegenheiten geeignet; beim Wiener Opernball wäre es definitiv fehl am Platz. 😉

Burda zeigt insgesamt drei Tragevarianten für das Kleid mithilfe des Rings, was es ebenfalls perfekt für den Urlaub oder andere Gelegenheiten macht, wo man wenig Platz im Koffer hat – so kann man an drei Abenden anders auflaufen.

Hier mal die Vorderansicht:

Wickelkleid, Vorderansicht

Insgesamt finde ich das Kleid okay; die Ausschnittkante flach anliegend zu bekommen ist nicht einfach, und die Enden, die man verknotet, sind trotz meines sehr dünnen Stoffes recht dick und auch etwas kurz. Aber bei einem so einfachen Schnitt, der nur durch Wickeln seine „Passform“ erhält, ist das nicht anders zu erwarten. Alles in allem ein schneller Schnitt, der auf den ersten Blick ein spektakuläres Ergebnis erzielt. Wer damit zufrieden ist, ist hier gut bedient.

(Die schlechte Bildqualität bitte ich zu entschuldigen. Meine Digicam hat den Geist aufgegeben, und sich mit dem iPhone selbst zu fotografieren, ist nicht ganz so einfach…)