Mein Schatz…

.. oder vielmehr, meine Schätze:

Am Wochenende hat die Nähmesse in Hamburg stattgefunden. Darauf aufmerksam wurde ich über die Werbung im ÖPNV; dort wurde der Wettbewerb Das Hamburger Nähtalent, bei dem man ein selbstgenähtes Kleidungsstück einreichen kann, beworben. Ich hatte gleich eine hübsche Idee, aber der Zeitmangel verbot es mir, an die Teilnahme auch nur zu denken. Aber die Idee ist gespeichert; mal sehen.

Die Nähmesse bezeichnet sich ziemlich selbstbewusst als „einziges Event“ in Deutschland, das ein umfassendes Angebot für Neueinsteiger und Profis bietet. Das bezieht sich hauptsächlich auf das Workshop-Angebot der beiden Tage, das unbestritten sehr vielfältig war: Vom Dessous nähen über Taschen, Röcke, Loops bis zu speziellen Verarbeitungstechniken wie Schrägstreifen und Paspeln ist alles dabei. Über 50 Workshops (einige davon mehrmals) an den zwei Tagen, das dürfte wirklich nicht so schnell zu toppen sein!

Mich selbst haben, wie meistens, mehr die Stoffhändler interessiert; gut 30 an der Zahl. Viele aus Land und Umland, aber auch einige von auswärts; und eine gute Mischung an Stoffen und Zubehör. Konkret gesucht habe ich zwei graue Stoffe für ein ganz besonderes Kindersweatshirt, sowie einen Ergänzungsstoff für mich, einen Jersey als Bund für eine Leinenhose. Da wurde ich auch in allem fündig:

Links oben im Bild seht ihr die zwei grauen Stoffe; zwei ganz wunderweiche Bio-Jerseys vom Pumuckl Stoffversand mit kuscheliger Rückseite, genau richtig für den Zweck. Rechts daneben ein hellblauer Jersey. Ich habe ein blaues Glanzleinen, das ich derzeit gerne zu einer Leinenhose mit Jerseybund verarbeiten würde. Den passenden Blau-Ton zu finden ist so gut wie unmöglich. Auch der jetzige ist nicht so das Gelbe vom Ei; vielleicht weiche ich doch besser auf ein sehr helles Grau aus. Da muss Mahler mal zeigen, was die Palette zu bieten hat.

Dann haben mich außerplanmäßig noch zwei süße Stöffchen angesprungen, die „meins“ geschrien haben: Links unten ein Jersey mit Elfen-Aufdruck. Ich bin ja nun alles andere als der Rosa-Niedlich-Typ, aber dieses vergleichsweise schlichte Design hat mich spontan angesprochen. Es ist ein Rest von 0,5 Meter, und ich habe gerade schon einen speziellen, selbst entworfenen, Schnitt dafür in Arbeit. Lasst euch überraschen!

Ja, und dann ein weiterer Digitaldruck, wie sie gerade immer noch so schwer in Mode sind, und lustigerweise auch wieder mit einem Vogel-Motiv. Ich habe schon zwei andere Digitaldruck-Jerseys, einer mit Flamingos, einer mit Papageien. Bunte Vögel bieten sich als Motiv für diese Technik ja wirklich an, und mit dem schwarzen Untergrund hier kommen die Farben so richtig knallig raus, genau richtig für mich. Da war einfach kein Liegenlassen möglich! Mitgenommen habe ich ihn von Niccoel.

Tja, und dann… kam ich am Stand von „Knopf Jakob“ vorbei (leider ohne Website!). Und da war es schon wieder und ganz unerwartet um mich geschehen:

Dreißiger Jahre Art deco-Knöpfe und Brosche. Ori-gi-nal! Seit einiger Zeit schon schwirrt mir der Gedanke an ein Flapper-Kleid im Kopf herum, und diese Knöpfe haben spontan ein Bild von dem Kleid mit Knöpfen und Brosche und passender Tasche vor meinem inneren Auge erstehen lassen. Es kann sich nur noch um Jahre handeln, bis ich dazu komme, auch diesen Traum zu verwirklichen, aber wenn es dann endlich soweit ist, bin ich bestens vorbereitet, ha! 😀

Hier findet man übrigens einen sehr interessanten Artikel über einen der Eigentümer, Reinhold Jakob:
http://www.buerstaedter-zeitung.de/lokales/buerstadt/lebenslauf-wie-vor-100-jahren_14515496.htm

Der Weg zur Messe war lang, da sie von uns aus fast am entgegen gesetzten Ende dieses Landes liegt; ich habe über eine Stunde gebraucht, um von Bergedorf nach Schnelsen zu kommen. Diese Location kannte ich noch gar nicht, und so war es bei dem guten Wetter auch mal ganz interessant, noch ganz fremde Stadtteile zu bereisen, von denen wir hier ja mit 150 an der Zahl reich gesegnet sind. Der Weg hat sich auf jeden Fall sehr gelohnt!

Und ich habe tatsächlich in den letzten Wochen noch ein genähtes Teil fertig stellen können:

Ein Shirt nach meinem inzwischen recht beliebten Schnitt Jalie 2793, hier in einer gekürzten Version als Shirt, wieder ohne Bindebänder. Beim Zuschnitt musste ich stückeln, und die Ärmel mit einer mittleren Naht zuschneiden, und deren Rückseite sieht auch anders aus als die Vorderseite, sonst „wäre es sich nicht ausgegangen“, wie meine Freunde aus Österreich das immer so liebenswert formulieren. Aber im Stückeln bin ich ganz gut und mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden!

Bitte entschuldigt das schlechte Handybild; aber im Moment ist meine Devise, lieber überhaupt ein Foto als gar keines… 🙂

Prokrastinieren, aber richtig

Im Zuge meines immer währenden Kampfes gegen die Stoffberge und Ufos hatte ich mir eine neue Strategie vorgenommen, die eine Freundin von mir erfolgreich beim Stricken durchzieht: Immer nur ein Projekt auf dem Tisch haben!

In diesem Sinne arbeitete ich mich heute Morgen an der Erstellung eines Hosenrocks ab, den ich meiner Schwester schon vor *hüstel* drei Jahren versprochen hatte. Aber hey, genau dieses Jahr sind Hosenröcke total in, also komme ich genau rechtzeitig!

Heute, nach dem Ein- und Aufnähen von Taschen und Reißverschluss in den Tagen zuvor, habe ich Seitennähte und Kreuznaht geschlossen, und spaßeshalber das Teil einmal angezogen, obwohl der Bund noch nicht dran ist. Meine Schwester und ich haben eine recht ähnliche Figur, und ich sehe mein Selbstgenähtes während des Arbeitsprozesses gerne am Körper, um Wirkung und Sitz zu überprüfen.

Hm… bisschen weit. Bisschen sehr weit. Kann es sein, dass die Maße meiner Schwester so anders sind? Oder habe ich beim Ändern des Schnitts (der Bund musste tiefer gelegt werden) etwas falsch gemacht?

Aus einem mir noch nicht ganz greifbaren Grund hat mich das Ganze sehr verunsichert. Vielleicht nur, weil ich gerade mit einer langwierigen Erkältung kämpfe, die sich heute wieder mal verschlimmert hat? Eine mögliche Lösung wäre gewesen, mir die Maßtabelle meiner Schwester herauszusuchen und zu vergleichen. Der Weg zum Regal, wo sich diese Tabelle möglicherweise in einem meiner Ordner befinden könnte, war allerdings verstellt mit dem Bügelbrett, einem Stuhl, auf den ich seit einem Jahr zigtausend verschiedene Sachen draufgelegt, aber niemals welche entfernt habe, meinem Reste-Korb, gekrönt von einem aufgeschlagenen Ordner, zwei weiteren Ordnern, die im Regal gerade keinen Platz finden, weil die Zeitschriftenstapel über den ehemals freien Ordner-Platz gekippt sind und so weiter und so fort… Die Schnittmuster-Teile vom Original-Schnitt habe ich auch nirgendwo in der Nähe meines Schreibtisches auffinden können. Argh! Das ganze Chaos deprimierte mich ziemlich.

Nachdem ich erstmal die Reste Silikon von der Duschwannen-Einfassung entfernt, mir einen weiteren Liter Tee gekocht, und zwischendurch mindestens dreißig Minuten lang ziellos Löcher in die Luft gestarrt hatte, fing ich zum hunderttausendsten Male an, mein Nähzimmer wieder in einen Zustand zu bringen, in dem man sich bewegen und arbeiten kann, ohne Gefahr zu laufen, von Stoff- oder Zeitschriftenstapeln begraben zu werden.

Ich habe den kleinen Tisch neben dem Gästebett aufgeräumt, die Wäsche gebügelt und wegsortiert, die seit über einer Woche dort frisch gewaschen lag, währenddessen die letzten beiden Folgen der ersten Staffel „Lillyhammer“ geschaut, die ich schon seit Wochen gucken wollte, dann sämtliche Sachen vom Stuhl weggeräumt, zwei vertrocknete Kräuter-Töpfe zum frischen Bepflanzen vorbereitet, einigen Krimskrams weggeschmissen und den nun wieder frei gewordenen Boden gestaubsaugt.

Danach habe ich bei einem meiner selbstgenähten Lieblings-Pullover den Halsausschnitt verkleinert, der aufgrund des sehr weichen Feinstricks mit der Zeit zu weit geworden war, und den Beleg an meinem Weihnachtsfeier-Kleid versäubert; zwei Teile, die schon seit Monaten geduldig in meinem Chaos schlummerten. Als Krönung habe ich dann endlich die Reste unseres blickdichten Schlafzimmer-Vorhangs zu einem durchgehenden Vorhang für mein Stoffregal verarbeitet; seit Jahren hingen die Stücke unversäubert kreuz und quer.

Morgen werde ich ein Longshirt für mich fertigstellen, das auch schon einige Wochen, oder vielmehr, Monate, als Ufo in der Ecke liegt. Dabei muss ich nur noch vier kleine Nähte machen und das Teil wäre fertig!

Und dann, dann habe ich hoffentlich wieder genug Elan, um mich dem Hosenrock zu widmen. Eins nach dem anderen! 😉

Ansonsten war das ein sehr erfolgreicher Hosenrock-Vermeidungs-Tag.

Und die Schnittmuster-Teile vom Hosenrock habe ich auch wiedergefunden!

Mit Geduld und Stift

Bislang hatte ich bei Bestellungen aus Übersee ja immer das Glück, dass der Zoll das Paket entweder gar nicht erst erwischt hat, oder dass der Paketdienst die Abwicklung gemacht und mir bei Lieferung nur noch eine Rechnung zum Bezahlen präsentiert hat.

Neulich kam ich daher nach mehreren Jahren des internationalen Online-Shoppings zum ersten Mal in die Lage, meine Bestellung, zwei Vogue-Schnittmuster, beim Hauptzollamt abholen zu müssen.

Diese Ämter haben ja immer ein bisschen was furchteinflößendes an sich, und ich war sehr gespannt, wie das Ganze dort ablaufen wird.

Mit der Zollamts-Mitteilung und ausgedruckten Emails meiner Bestellung meldete ich mich also am ersten Schalter, wo mir neben der Warte-Nummer ein Formular ausgehändigt wurde, in das ich Art und Wert der Bestellung eintragen sollte. Nur das Formular, kein Stift.

Nachdem mein suchender Blick durch den kargen Raum das Nicht-Vorhandensein irgendwelcher Stifte mit verzögerter Geschwindigkeit an mein Hirn gemeldet hatte, erbarmte sich der Herr hinter dem Schalter und sagte mir, dass ich am Empfang im Vorraum einen solchen erfragen könnte.

Als Unternehmensberater würde ich an dieser Stelle die Investition in kostenlose Kugelschreiber mit Zoll-Werbeaufdruck anraten, denn wer hat in unseren Smartphone-Zeiten denn noch einen Stift in der Tasche?

(Ich, normalerweise, aber genau an dem Tag hatte ich die andere Tasche genommen, und den Stift nicht umgepackt. Je nun…)

Gesagt, getan, und mit dem ausgefüllten Formular wartete ich dann im Vorraum, bis meine Nummer an der elektronischen Anzeige-Tafel aufgerufen wurde. Ihr kennt diese Tafeln, die immer so einen Pling-Ton von sich geben, sobald die nächste Nummer erscheint? Sehr nützlich, wenn man die Wartezeit lesend verbringt!

Weniger nützlich waren die Aufzüge, die sich ebenfalls im Vorraum befinden, und bei jedem Eintreffen im Erdgeschoss auch einen solchen Ton von sich geben…

Nach wenigen Kapiteln von „Der Schockwellenreiter“ wurde dann auch schon meine Nummer aufgerufen, und ich begab mich an den genannten Schalter. Hier wurde zunächst mein Formular in Empfang genommen; die Frage, aus welchem Material denn die Schnittmuster bestünden, machte mich kurz konfus.

Fragen, bei denen ich denke, dass man die Antwort schon weiß, stürzen mich immer in Verwirrung. Keine Ahnung, wieso. Und natürlich wissen Menschen, die sich mit diesem Thema nicht beschäftigen, auch gar nicht, woraus denn Schnittmuster bestehen. Oder, es ist eh nur so eine Standard-Fangfrage; so wie damals, als wir mit dem Auto Großbritannien verlassen haben, und der Zollbeamte uns fragte, ob wir Waffen oder Drogen an Bord hätten und wir alle herzlich gelacht haben. An der Reaktion erkennen die vermutlich, ob man vertrauenswürdig ist oder nicht.

Nun war noch eine weitere Hürde zu nehmen, denn es hieß erst einmal, hinauf in den ersten Stock zu gehen, um an der dortigen Kasse die Einfuhrumsatzsteuer zu bezahlen. (Zoll fiel nicht an, da unterhalb der Grenze.)

Mit dem Beleg wieder nach unten, und nach einer weiteren kurzen Wartezeit hielt ich dann glücklich meine beiden Schnittmuster in Händen, und konnte den Rückweg durch die zugige HafenCity antreten.

Also alles halb so schlimm, und beim nächsten Mal verspreche ich, vorher an den Stift zu denken. 😉

schon wieder vorbei?!

Das Jahr 2014… kann doch nicht sein?!

Ist aber so. Und damit nehme ich mir mal ein bisschen Zeit, um einen Blick zurück zu werfen.

Gefühlt habe ich letztes Jahr nicht so viel geschafft; meine Bandscheiben-OP im Frühjahr 2014 hat mich längere Zeit außer Gefecht gesetzt, und wie schon in den Vorjahren bin ich am Wochenende viel in der Republik herum gereist, so dass mir auch da viel Zeit zum Selbermachen fehlte, die ich aber für andere schöne Sachen genutzt habe.

Außerdem habe ich mehr gestrickt als genäht; das liegt zum Teil auch an den Reisen, wo sich ein Strickprojekt ja gut mitnehmen lässt.

Mein absolutes Lieblings-Teil aus dem letzten Jahr ist mein Eulen-Pullover:

An dem habe ich lange herum geknabbert, und mehrfach aufgetrennt, bis er so passte, wie ich das wollte, und ihn zwischendurch immer wieder längere Zeit liegen gelassen; gut ein Jahr habe ich bis zur Fertigstellung gebraucht! Er ist so dick und warm, dass ich tatsächlich nur selten dazu komme, ihn zu tragen, aber ich bin so stolz auf das Teil!

Das Strickmuster gibt es bei der Designerin oder bei Ravelry.

Ebenfalls sehr lange gebraucht habe ich für diesen Schal:

Den hatte ich bereits im Dezember 2012 (!) angefangen, und eigentlich war er als „Reise-Arbeit“ geplant gewesen. Irgendwie war mir das Muster dann aber erst zu langweilig, so dass ich ihn immer wieder zugunsten anderer Sachen beiseite gelegt habe, und kaum mehr als ein halbes Knäuel verstrickt hatte, ehe er endgültig als Ufo (Handarbeits-Jargon für „unfertiges Objekt“) gelten konnte. Als ich letztes Jahr dann wieder daran ging, packte mich das Muster aber so sehr, dass ich kaum aufhören konnte, und ihn sehr schnell fertig stellte! Insgesamt zwei Knäuel von der schönen, silbern schimmernden Wolle habe ich verbraucht, und mit 1,55 m ist er fast so lang wie ich selbst. (Ein langer Schal hat idealerweise die Körpergröße des Trägers, lautet eine Faustregel.)

Auch dieses Strickmuster gibt es bei Ravelry zu kaufen.

Bedingt durch die Geburt meines „Patenkindes“ habe ich mich dann im letzten Jahr für Babykleidung zu interessieren begonnen. Schon ewig wollte ich einmal die BSJ, die Baby Surprise Jacket von Elizabeth Zimmerman (EZ), ausprobieren, und jetzt endlich hatte ich die Gelegenheit dazu! So ist als erstes Testobjekt zunächst dieses kleine Jäckchen plus Mütze entstanden:

Was mich daran so interessiert hat, ist die Konstruktionsmethode: Das Jäckchen wird komplett in einem Stück gestrickt, und erhält dann am Schluss nur zwei kurze Schulternähte, um auf magische Weise von einem formlosen Stück zu einem anbetungswürdig-süßen Jäckchen zu werden. Mit selbst-musterndem Sockengarn (oder, wie früher, Resten von anderen Projekten) ergibt sich dann auf Vorder- und Rückseite ganz von alleine ein interessantes Muster. EZ hat dieses Teil Ende der 60er entworfen; es dürfte inzwischen weltweite Bekanntheit erreicht haben und wird millionenfach nachgestrickt, wie alleine die Einträge bei Ravelry beweisen. Meiner Meinung nach ist diese Frau ein Genie!

Erhältlich ist das Strickmuster direkt beim Hersteller.

Da Kinder so schnell wachsen, musste dann schnell ein neues Teil in passender Größe her, und so entstand direkt im Anschluss die zweite BSJ aus einem dickeren Garn:

Jetzt gerade trage ich meine neuen Strickfilz-Slipper, nachdem ein Paar, das ich letztes Jahr gekauft hatte, durchgelaufen ist, und ich mir dachte, warum nicht gleich Selbermachen (die gelbe Filzblume ist gekauft):

Den Kopf halt kühl, die Füße warm, das macht den besten Doktor arm! 😀
Bestellungen für zwei weitere Paare für die Verwandtschaft liegen bereits vor.

Mehr Bilder und Notizen zur Entstehungsgeschichte von allem und noch viel mehr gibt es in meinem Ravelry-Account.

Soweit zum Gestrickten. Und da ich mittlerweile weiß, was passiert, wenn ich Pläne mache, schweige ich hier mal stille über alles, was ich möglicherweise gerne in diesem Jahr machen würde… 😀

Schlachtfest

Oder: Ich war eine Handtasche…

… und beabsichtige, wieder zu einer zu werden.

Meine schöne Handtasche, die ich mir vor ziemlich genau zwei Jahren nach dem Vorbild einer Kauf-Tasche genäht habe, hat sich im Alltag leider als teilweise untauglich erwiesen. Der schwarz-weiße Bouclé hat in Verbindung mit meinem Wintermantel sehr unschöne Abriebspuren auf diesem hinterlassen, die sich allen Entfernungsversuchen des Fusselrasierers hartnäckig widersetzen. Und die Paspeltasche im Futterstoff, die für das Portemonnaie gedacht war, ist nach recht kurzer Zeit ausgerissen; der Futterstoff war wohl doch zu dünn für das Gewicht.

Aber die Innen- und Außengröße der Tasche war extrem praktisch; es passte sehr viel hinein, ohne dass sie zu voluminös war. Und die Henkel hatten genau die richtige Länge, um sie wahlweise in der Hand oder über dem Arm zu tragen. Der Reißverschluss oben hat dafür gesorgt, dass nichts herausfällt, wenn sie mal umkippt, und das schwarze Leder außen war sehr strapazierfähig.

Deswegen hatte ich schon länger den Plan, die Tasche noch mal neu mit einem anderem Außenstoff zu nähen, und jetzt endlich finde ich die Zeit dazu. Das Reißverschlussband oben, die Ringe für die Henkel und den kleinen gelben Reißverschluss werde ich wiederverwenden. Das Lederteil habe ich inzwischen auch schon abgetrennt; das kann ich hoffentlich auch noch mal verwenden, indem ich (ziemlich) genau in der alten Naht nähe. Sonst müsste ich nochmal zu Leder Detmer – was ja auch kein furchtbares Unglück wäre…

Derzeit plane ich als Außenstoffe eine recht spezielle Kombi, die eigentlich wieder mal als Handtaschenstoff völlig ungeeignet ist, aber aus anderen Gründen. Mal sehen, was damit passiert. Dazu mehr im nächsten Post.

Alles in Ordnung

Stauraum

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus – irgendwann demnächst (…) werden wir Schlaf- und Arbeitszimmer tauschen, und im Zuge der Umstrukturierung möchte ich gerne einiges von dem Regalplatz umwandeln in andere Aufbewahrungsmöglichkeiten.

Von „Alex“ hatte ich schon öfter im Näh-Forum gelesen. Ich suchte besonders eine Lösung für die Overlock-Konen, die ich bislang in den wackeligen „Skubb“-Stoffboxen im Regal aufbewahrt hatte. Ein Test im Möbelhaus ergab, dass die Konen hervorragend in die großen Schubladen passen, also habe ich ein Exemplar des überraschend schweren Schubladen-Schränkchens in´s Auto gewuchtet.

Nach dem Aufbau war ich dann sehr erfreut, festzustellen, dass meine sämtlichen Konen (gut 40 Stück) in eine einzige Schublade passen!

Jetzt muss ich nur noch etwas finden, mit dem ich die anderen vier Schubladen füllen kann, aber das sollte kein Problem sein… 😀

Magische Händchen

Hightech mit Murmel

Mein Smartphone möchte ich nicht mehr missen; die Möglichkeit, jederzeit mit meinen Freunden in Kontakt zu treten und jede noch so kleine Wartezeit mit einem eBook zu überbrücken, ist einfach zu praktisch.

Einziges Problem: Auf zugigen Bahnsteigen braucht man Handschuhe. Damit lässt sich ein Touchscreen aber nicht bedienen.

Schon längere Zeit bevor ich begonnen habe, mich mit dem Wearable-Buch zu beschäftigen, hatte ich daher überlegt, mit Hilfe von leitfähigem Garn meine Handschuhe iPhone-tauglich zu machen, und mir zwei Meter davon in einem meiner Lieblings-Shops bestellt.

Gestern Abend war es dann endlich soweit und ich suchte mir die Siebensachen zusammen, die man dafür so braucht:

Handschuhe, Garn, eine Stecknadel und eine kleine Murmel.

Mit der Stecknadel habe ich am angezogenen Handschuh versucht, den Bereich meiner Fingerkuppe möglichst gut zu markieren (ohne mich dabei selbst zu stechen).

Den Handschuh habe ich dann auf links gezogen, um den ersten Einstich mit dem leitfähigen Garn inside out machen zu können. Der Versuch, mit der Nähnadel in den dünnen, gefütterten Handschuh bis zur Spitze des Zeigefingers vorzudringen, ohne irgendwo das Futter mitzunehmen, erwies sich nämlich als unmöglich.

Die Markierungs-Stecknadel habe ich natürlich vorher rausgezogen, denn damit wäre das Wenden ja ganz unmöglich gewesen. Vielleicht wäre eine Reißzwecke die bessere Möglichkeit zur Markierung? Den ersten Stich habe ich dann jedenfalls mehr oder weniger frei Schnauze gemacht.

Innen lässt man ausreichend Garn hängen, um nach Fertigstellung die Enden verknoten bzw. vernähen zu können; etwa die Länge des Zeigefingers reicht dafür völlig aus.

Dann habe ich die Murmel ganz nach oben in den Zeigefinger geschoben und das Material darüber gespannt. Die Murmel erfüllt hier den gleichen Zweck wie das Stopf-Ei im Strumpf und sorgt dafür, dass man nicht aus Versehen die Rückseite erfasst und an die Vorderseite dran näht.

Dann näht man in einem beliebigen Muster mehrere Stiche hin und her, bis eine kleine Fläche mit dem leitfähigen Garn bedeckt ist. Man braucht nicht sehr viel, um die Spannung zu übertragen; zwei bis drei Stiche reichen schon aus, wie ich getestet habe, aber mit einer etwas größeren Fläche fällt die Bedienung nachher leichter.

Wer mag, könnte hier ein hübsches kleines Muster aufsticken. Meine eigenen Handnäh-Fähigkeiten sind nur rudimentär, und so habe ich mich mit einer einfachen, halbwegs eckigen Fläche begnügt.

Durch das dünne, dehnbare Leder und das Innenfutter hindurch zu stechen, ist mit einer gewöhnlichen Nadel nicht so ganz einfach. Ich habe noch einen Fingerhut und einen Gummiflecken zu Hilfe genommen, um die Nadel durchschieben und wieder herausziehen zu können. Bei dem zweiten Handschuh aus Gore-Material war das leichter, aber auch hier war ich über den Fingerhut froh. Meine bevorzugte Nähnadel ist übrigens eine feine Quiltnadel.

Wenn man mit dem Ergebnis zufrieden ist, führt der letzte Stich die Nadel wieder in das Innere des Handschuhs. Dann wieder wenden, um die Fadenenden zu verknoten und/oder zu vernähen. Es macht auch nichts, wenn innen noch Fadenenden hängen bleiben; je mehr Kontakt das Garn zur Haut hat, um so besser ist es ja. Mein Foto zeigt den Zustand vor dem Verknoten und Abschneiden der Enden.

Innenansicht, vor dem Vernähen

Handschuh zum letzten Mal wenden und sich freuen wie ein Schneekönig! Nie wieder kalte Finger im Winter, wenn man auf dem Bahnsteig eine SMS schreibt, ein eBook liest oder sich bei Facebook umschaut – hurra!

Inzwischen gibt es ja auch Kauf-Handschuhe mit dieser Eigenschaft, aber ich habe es nicht eingesehen, meine ansonsten noch völlig intakten, „altmodischen“ Handschuhe nur deswegen zu entsorgen. Mit einer kleinen Menge Garn und ein wenig Geschick kann man dem Konsumdruck so ein klitzekleines Schnippchen schlagen.

Kann man schon was sehen?!

Ein Langzeitprojekt nähert sich ganz langsam seiner Vollendung – mein Handtaschen-Klon ist schon ganz gut als solcher erkennbar.

Als kleine Erinnerung hier der Anfang, aus dem Juni – da habe ich den Schnitt abgenommen.

Original-Tasche

Für den Außenstoff habe ich mich für einen lose gewebten Tweed (?) entschieden. Das war nicht so ganz die beste Entscheidung; an den Kanten sind die lose gewebten Fäden schlecht zu bändigen. Den Stoff, von dem ich eine größere Menge hier habe, hatte ich eigentlich für einen Kurzmantel vorgesehen, aber ich mache wohl doch besser eine klassische Chanel-Jacke daraus; er ist wohl mehr für schön als für praktisch geeignet.

Den Seitenstreifen hatte ich zuerst aus einem schwarzen Feinköper gemacht; aber der sammelte mir zu schnell Fusseln. Da Leder für eine Tasche immer noch am besten geeignet ist, wurde ich dann schließlich bei Leder Detmer in der Restekiste fündig. Meine Nähmaschine stieß gelegentlich an ihre Grenzen; allzu genau darf man nicht überall hinschauen. Um die Träger zu befestigen, werde ich wohl einen Schuster in Anspruch nehmen.

Danach folgte etwas Feinarbeit, die Blumen-Deko. Die Blütenteile aus dem schwarzen Wildleder auszuschneiden und anzunähen war nicht schwierig, nur zeitraubend. Etwas mehr Arbeit erforderte das Aufnähen der geschliffenen Perlen. Im Bastelladen hatte ich zuerst zu den Holzperlen gegriffen, mich dann aber doch entschieden, meine persönliche Komfort-Zone ein Stück zu verlassen und das Bling-bling zu verwenden. Das Aufnähen war nur deswegen so schwierig, weil sich der Nähfaden um sich selbst wickelte beim Durchziehen, oder im stabilen Taschenfutter hängenblieb, und immer wieder Fadensalat produzierte. Ich mache so etwas nicht allzuoft – aus gutem Grund – aber ich glaube, ich muss mich doch mal stärker mit dem Thema Handsticken  beschäftigen. Da muss es doch irgendwelche „Tricks“ geben…

Taschen-Nachbau

Außen ist sie jetzt soweit fertig; jetzt fehlt nur noch das Futter und die Träger. Das Futter habe ich schon genäht und mit zwei Innentaschen versehen. Heute habe ich dann noch ein dünnes Volumenvlies aufgebügelt. Die Tasche selbst ist mit einem stabilen Taschenfutter aus Kunststoff versehen, darum musste ich die Vlieseline jetzt auf das Futter aufbügeln. Um die Innentaschen nicht festzukleben, habe ich einen Schlitz in die Vlieseline geschnitten und die Innentaschen durchgezogen. Danach wurde gebügelt.

Volumenvlies mit Trick 17
Aufgebügeltes Vlies

Als ich heute im Stoffaden das Vlies und andere Kleinigkeiten kaufte, habe ich außerdem etwas Tolles entdeckt, das ich schon öfter vermisst habe: Ein temporärer Markierstift von Prym in weiß, der auf dunklen Stoffen sichtbar ist! Keine Ahnung, ob der neu ist; mir war er bislang unbekannt. Ich habe ihn gleich mal getestet – wenn man die Linien zieht, sieht man zunächst gar nichts; erst beim Trocknen wird die Flüssigkeit ganz weiß. Es ist ein Aqua-Trickmarker; die Markierungen müssen also vor dem Bügeln mit Wasser entfernt werden. Ich glaube, der wird mir noch sehr nützlich werden!

Aqua-Trickmarker weiß

Die letzten Sommertage

am letzten langen Wochenende habe ich mit diesem Kleid leider nicht mehr mitnehmen können, weil es noch nicht fertig ist; aber der nächste Sommer kommt bestimmt!

Den Stoff, einen Viskose-Jersey, hatte ich vor ein paar Wochen im Alsterhaus gefunden; ein Besuch dort lohnt sich übrigens unbedingt. Eigentlich wollte ich damit auf die Schnelle ein Kleid ohne Schnitt produzieren, aber dieses Vorhaben ist leider mangels Nachdenken gescheitert – die notwendige Hüftweite hatte ich erst am Saum angezeichnet, so dass statt eines luftigen Sommerkleids ein Modell Presswurst dabei herauskam. Nun ja…

Nachdem das Teil dann einige Wochen in der Ecke herumlag, habe ich mir vor drei Tagen die Reste vorgenommen. Da ich zwei Meter gekauft hatte, und das TfT sich auch wiederverwerten ließ, habe ich dann mit etwas Überlegung dieses Kleid im Mustermix herausschneiden können. Die Musterverteilung ist zur Hälfte Absicht, zur Hälfte der Notwendigkeit geschuldet.

Der Schnitt ist Jalie 2793, und eigentlich ein Top, das ich soweit verlängert habe, wie der Stoff es hergab. Die Konstruktionsweise ist wie immer bei Jalie extrem problemlos, die Passform für mich genau richtig. Meine einzige Änderung, neben der Länge, bestand im Verstärken aller weißen Schnitt-Teile mit zwei Sorten Vlieseline, was dem Kleid mehr Struktur und Stand verleiht. Gerade die breite Blende wäre sonst, glaube ich, zu labberig.

Hinten ist ein Bindeband, das an einer etwas ungewöhnlichen Stelle sitzt, da es seitlich direkt an die Unterbrustblende anschließt:

Der Schnitt gefällt mir sehr gut, und ich plane ein weiteres Modell in schwarz-weiß, diesmal in Top-Länge. Am besten mit den im Schnitt auch möglichen längeren Ärmeln, für den Herbst. Beim Empire-Stil bin ich sonst immer sehr skeptisch, weil man damit fast immer schwanger aussieht. Es gibt im Schnitt noch eine Variation mit einer leichten Kräuselung an der Oberkante des vorderen Unterteils; ich habe aber die glatte Variante gewählt. Zusammen mit dem auch sonst sehr körpernahen Schnitt und dem Fokus auf dem Ausschnitt durch die andersfarbige Blende ist das aber mal ein Empire-Teil, das auch an Figuren wie meinen gut aussieht!