Ich habe seit Mai, oh Wunder, einige schöne Teile fertig genäht, über die ich noch gar nicht geschrieben habe, aber das kommt später.

Jetzt gerade will ich über Ausmisten schreiben. Das ist ein Thema, das mich immer wieder umtreibt. Ich war oder bin eine große Sammlerin; gottseidank beschränkte sich das immer auf wenige Kategorien.

Früher wie heute sammele ich gerne interessante Steine und Muscheln im Urlaub. Obwohl ich inzwischen in der Lage bin, die meisten wieder ins Meer und an den Strand zurück zu schmeißen, weil sie nach längerer Betrachtung doch nicht mehr so interessant aussehen und ich ja schon eine kleine Sammlung zu Hause habe. Einige wenige schaffen es trotzdem jeden Urlaub mit auf den Heimweg. Von meinem Sitzplatz aus sehe ich drei kleine Glasbehältnisse mit meinen Schätzen, also ist die Menge immer noch überschaubar. Möglicherweise auch deswegen, weil wir nicht so oft Urlaub machen. Und weil ich inzwischen gelernt habe, stärker über dieses Thema nachzudenken und nicht einfach gedankenlos alles einstecke und mitnehme. Alleine schon, weil der Platz in der Drei-Zimmer-Wohnung begrenzt ist, und ich auch gar nicht der Typ bin, der gerne zig (nutzlose) Sachen herumstehen hat. In meinem Herzen kämpfen ständig die Sammlerin gegen die Minimalistin an.

Bücher sind das schwierigste Thema für mich. Als Kind und Jugendliche war deren Anzahl allein durch das verfügbare Geld begrenzt. (Meine komplette Donald-Duck-Sammlung der ersten 100 Bände hüte ich heute noch wie einen Schatz!) Außerdem bin ich jahrelang die fleißigste Besucherin der Stadtbibliothek gewesen; ich kann mich erinnern, dass ich als Jugendliche bei jedem Besuch einen großen Stapel mitgenommen und abgegeben habe. Der Tag, an dem ich als Vierzehnjährige endlich Zugang zur großen Erwachsenenblibliothek bekam, und nicht mehr auf die Kinderbibliothek beschränkt war, war besser als Weihnachten, Ostern und Geburtstag zusammen! Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich dann zunächst ziemlich eingeschüchert durch die großen Räume voller Regale gewandert bin, erstarrt in Ehrfurcht, und mir neugierig die komplette Systematik angeschaut habe. Lesen ist für mich fast das gleiche wie Atmen und ich glaube, seit ich mir mit fünf Jahren laut Erzählung meiner Mutter das Lesen quasi selbst beigebracht habe, ist kein Tag vergangen, an dem ich nicht gelesen habe. Ich bin der Typ Mensch, der in Ermangelung von Ablenkung auch die Rückseite der Cornflakes-Verpackung liest; dass ich Gebrauchsanleitungen lese, ist selbstverständlich, und wann immer ich darüber nachdenke, ein neues Hobby anzufangen, hole ich mir zunächst ein Grundlagenbuch zum Thema und sauge das ein. Ganz zu schweigen von der Belletristik, die ich in jeder freien Minute konsumiere. Ein Hoch auf die kindle-app auf dem iPhone; ich glaube, seitdem hat sich mein Buchstabendurchsatz noch einmal verdoppelt!

Dass ich vor acht Jahren angefangen habe, für einen Verlag zu arbeiten, hat die Lage nun etwas aus dem Ruder laufen lassen. Meine Freunde und Verwandten freuen sich über die regelmäßigen Bücherpäckchen, aber ich selbst komme einfach nicht hinterher mit dem Lesen. Nachdem ich vor Jahren schon damit begonnen habe, nur noch die gelesenen Bücher zu behalten, von denen ich denke, dass ich sie gerne noch einmal lesen würde (die Aussortieren bekommt regelmäßig die lokale Bücherhalle), sind inzwischen die noch ungelesenen Bücher das größere Problem. Es gibt einfach so viele interessante Bücher, und die ersten Jahre habe ich mitgenommen, was ich kriegen konnte, was leider viel ist. Zuviel für meine Lebenszeit, fürchte ich. Ganz abgesehen davon, dass ich das meiste inzwischen sowieso elektronisch lese; davon werden meine Stapel neben dem Bett auch nicht kleiner.

Seit Jahren versuche ich mich nun davon zu überzeugen, dass ich hier dringend ausmisten muss. Am besten wäre es, die Ungelesenen komplett weg zu geben, und von den Gelesenen nur die zu behalten, die mir wirklich sehr am Herzen liegen. Das sind aber höchstens drei, vier Regalmeter, sagt mir mein Blick auf die Billy-Wand. Der größere Rest kann im Prinzip weg.

Wie gesagt beschäftige ich mich mit dem Thema schon eine Weile, und ich merke, dass ich noch nicht ganz dazu bereit bin, aber ich merke, wie der Widerstand der Sammlerin immer stärker bröckelt und die Minimalistin sich insgeheim schon freut auf den gewonnenen freien Raum und die Luftigkeit.

Der Platz für die Bücher ist auch deswegen begrenzt, weil meine Sammelleidenschaft natürlich auch vor meinen anderen Herzens-Hobbies nicht halt macht, nämlich dem Nähen und Stricken. Die Regale mit Stoffen, Wolle und Kurzwaren und Handarbeitsliteratur machen dem Lesestoff inzwischen harte Konkurrenz.

Wobei ich auch bei den Stoffen immer wieder dabei bin, auszumisten. Die Ideen kommen auch hier schneller als die Umsetzung möglich ist. Und aus einigen Stoffen wächst man mit der Zeit dann auch raus oder findet nach der Anfangseuphorie einfach kein Projekt, mit dem sie sich sinnvoll in das eigene Leben integrieren lassen. Wenn das Muster, der Stoff, wie sie sich anfühlen, einfach nicht (mehr) zum eigenen Leben passen, wäre es besser, sie ein neues zu Hause finden zu lassen, in dem sie höher wertgeschätzt werden. Auch meine Näh-Zeitschriften werden mit viel Mühe klein gehalten, indem ich ältere Jahrgänge verkaufe; trotzdem habe ich inzwischen einfach zu viel als vernünftig ist. Wenn ich es nicht nutze, kann es genau so gut weg. Sagt die Minimalistin.

Es ist jedenfalls ein ständiger Kampf, den verfügbaren Raum so gut wie möglich zu nutzen und gleichzeitig genügend Vorräte zu haben, um auch spontane Ideen mal umsetzen zu können. Denn ganz ohne Vorräte geht es einfach nicht; weder in einer Küche noch bei einer Handarbeit. Aber wenn die Dose Bohnen seit fünf Jahren ungenutzt im Schrank steht, muss man sich vielleicht einfach mal eingestehen, dass man nicht so der Bohnen-Typ ist, also weg damit!

Wie komme ich jetzt auf all das? Eigentlich wollte ich nämlich über meinen Kleiderschrank schreiben. Der bedarf auch dringend wieder einer Ausmist-Aktion und eben gerade habe ich erfolgreich den ersten Teil gestartet und die Hosen-Abteilung aussortiert. Yes! Elf Stück habe ich aussortiert, darunter auch drei Selbstgenähte.

Früher, vor meiner Farb- und Stilberatung, gehörte ich auch eher zu den Menschen, die nur 20 % ihres Kleiderschrank-Inhalts tragen. Nachdem ich dann 2007 mit professioneller Hilfe herausgefunden habe, warum ich manche Dinge einfach nicht trage (falsche Farbe, falscher Stil, falscher Schnitt, passt zu nichts anderem etc.) und meinen Kleiderschrank komplett umgestellt hatte, war meine Ratio jahrelang eher bei 80 %. In den letzten Jahren haben sich aber nun wieder viele Teile eingeschlichen, die das Verhältnis wieder stark verschlechtert haben. Wenn ich drei, vier Maschinen Wäsche gewaschen habe mit allem, was ich in den letzten zwei, drei Wochen getragen habe, kann ich den Rest im Prinzip aussortieren. Okay, ganz so schlimm ist es nicht; es gibt ja noch andere Jahreszeiten und unterschiedliche Anlässe, aber insgesamt ist es einfach zu viel geworden, was jahrelang nicht genutzt wurde. Und das muss jetzt so langsam mal weg. Schließlich habe ich ja noch mehrere Regalmeter Stoff in der Warteschlange zum wirklich geliebten Kleiderstück… 😉

Auch über dieses Thema habe ich jetzt mehrere Monate lang immer wieder nachgedacht, bevor ich dann heute spontan, aber nicht unüberlegt, mit dem ersten Gang begonnen habe. Es gibt ja verschiedene Strategien des Ausmistens; ich habe mich für die Strategie „Eine Abteilung nach der anderen“ entschieden.

Es gibt daneben auch die Hardcore-Variante, bei der man den Kleiderschrank und sämtliche anderen Sammelstellen (Kommoden, Garderoben etc.) auf einmal leer räumt, und dann über jedes Teil ein Urteil fällt. Das würde mich völlig überfordern; zum einen zeitlich, zum anderen, weil man ja inzwischen weiß, dass man pro Tag nur eine begrenzte Zahl an (vernünftigen) Entscheidungen treffen kann, bevor auch hier eine Ermüdung einsetzt. Und wir wollen ja nichts behalten, was eigentlich weg könnte, oder andersherum, nicht wahr? 😉

Deswegen gehe ich Stück für Stück vor, und heute waren die Hosen dran. Alle raus aufs Bett und dann jede anzogen und geprüft, ob die überhaupt noch passt, mir gefällt, zu meinem Lebensstil passt etc. Weil ich mich gedanklich mit dem Thema schon längere Zeit beschäftigt hatte und weil ich gerade gestern eine selbstgenähte Shorts fertig gestellt habe, die sämtliche Bedingungen erfüllt, konnte ich einige Entscheidungen sehr schnell treffen, die mir vor längerer Zeit noch sehr viel schwerer gefallen wären. Die Geduld mit irgendwie unpassenden Teilen ist doch sehr viel geringer, wenn man nicht nur weiß, was einem steht, sondern auch in der Lage ist, sich so etwas herstellen (oder kaufen) zu können, weil man weiß, worauf man dabei achten muss (Farbe, Passform, Schnitt-Details, Stil, Material).

Und morgen sind die Kleider dran!

Und hier ist der kleine Wolf in voller Pracht, fertig!

Als ich dieses süße Teil zum ersten Mal in der Herbst-Ottobre 2015 gesehen habe, wusste ich sofort, dass ich den unbedingt nähen wollte! Auf der Nähmesse im letzten September hatte ich mir auch sofort zwei kuschelige Stoffe dafür zugelegt. Ursprünglich war das als Weihnachtsgeschenk geplant, aber wie das so ist, kommt man ja gerade in der Vorweihnachts-Zeit zu überhaupt nichts, und im Zuge meines letztjährigen Stress-Reduktions-Programms hatte ich dann von der Anfertigung abgesehen.

Aber göttinseidank gibt es ja immer wieder einen Anlass zum Feiern, und so wurde es jetzt zu einem Geburtstagsgeschenk für mein „Bonuskind“.

Die Augen-Applikation war eine ziemlich fummelige Angelegenheit; ich habe aber auch nicht, wie vorgeschlagen, einen dichten Zickzack verwendet, sondern eher einen weiten, weil die klitzekleinen Rundungen mir zu viel waren. Das Ergebnis ist eher suboptimal für meine Ansprüche, aber hinterher ist man ja immer klüger. Aus einer normalen Entfernung fällt es auch kaum auf; der Gesamteindruck zählt.

Hals- und Armausschnitte habe ich mit Bündchenstoff eingefasst; die Farbe ist etwas dunkler als ich gerne hätte, aber Karstadt hatte nur zwei Grau-Töne, einer hell, einer dunkel, also wurde es der dunkle. Zuerst wollte ich alles mit dem Hauptstoff einfassen, aber der war nicht dehnbar genug, also musste ich nochmal auf die Jagd gehen. Beim Halsausschnitt vor Anbringen des Bündchens hatte ich zuerst Angst, dass der nicht weit genug wäre, aber ein kurzer Test an meinem eigenen Kopf hat ergeben, dass auch Größe 92 problemlos über meinen (kleinen) Erwachsenenkopf passt, also war das kein Problem.

Wegen der vergleichsweise vielen Teilungsnähte, den Rundungen und den doppelt abgesteppten Ziernähten ist das Sweatshirt für ein Kindermodell vergleichsweise aufwendig zu nähen, aber der Aufwand hat sich mehr als gelohnt, finde ich!

Der Stoff ist ein kuscheliger, innen angerauter Bio-Sweat von Pumuckl Stoffversand; fühlt sich ganz wunderbar an. Für die Nadeln war er aber ziemlich hart; ich hatte das Gefühl, die Maschinen mussten ziemlich kämpfen, um durchstechen zu können – mit frischen Nadeln, versteht sich!

Die kleinen Augen haben gestrahlt bei der Übergabe, und das ist immer die schönste Belohnung. So macht das Nähen Spaß! 🙂

… werfen ihre Blicke voraus!

.. habe ich verbracht; in jeder Hinsicht.

Eigentlich liegt ja gerade ein Zweiteiler-Badeanzug auf meinem Nähtisch, aber aus irgend einem Grund habe ich mir Anfang der Woche in den Kopf gesetzt, dass ich jetzt sofort einen Jeansrock nähen möchte. Das ist eins von den Basic-Teilen, die eigentlich jede im Schrank haben sollte, finde ich, aber in meinen Schrank hat sich schon jahrelang kein solches Teil hinein verirrt.

Jetzt ist er endlich fertig; es ging dann doch recht schnell.

Vor ein paar Wochen hatte ich nämlich schon einmal einen Versuch gemacht, der leider als TfT geendet ist. Ich hatte einen Fehler bei der Konstruktion gemacht, der dazu führte, dass der halbfertige Rock bei der Anprobe viel zu weit war. Ich grübelte längere Zeit an diesem Fehler herum, weil ich letztes Jahr bei einem Hosenrock für meine Schwester den gleichen Fehler schon einmal gemacht hatte, aber bislang nicht darauf gekommen war, was genau ich falsch gemacht hatte. Irgendwann, als ich abends im Bett lag, kam mir dann die Erleuchtung!

Ich habe einen perfekt passenden Grundschnitt nach der Methode von Galiya (leider nicht mehr online), und hatte daraus einen Modellschnitt in Form eines ausgestellten Rocks mit Formbund abgeleitet. Bei der Konstruktion habe ich die Arbeitsschritte in der falschen Reihenfolge durchgeführt: Ich hatte zuerst den Rock ausgestellt, indem ich die Abnäher zugedreht habe, und habe dann den oberen Teil des Bundes abgeschnitten, und den neuen Bund etwas tiefer platziert. Durch das Ausstellen als ersten Schritt war der Rock in der Hüfte aber so weit geworden, dass der tiefer gesetzte Bund nun an einer Stelle lag, an der er sehr viel zu weit für meinen tatsächlichen Körperumfang an dieser Stelle war. Wer also jemals einen Grundschnitt so abändern will, hier ist die richtige Reihenfolge: Bund oben in der gewünschten neuen Endhöhe quer abschneiden; Formbund ebenfalls in der gewünschten Höhe quer abtrennen. Abnäher im Bund ggf. zulegen. Rockteile jetzt ausstellen, indem die Abnäher zugelegt werden, unten aufschneiden, damit er zum Saum hin weiter wird. So passt das dann auch!

Ärgerlich war, dass ich neuen Jeans kaufen musste, weil sich in meinem bescheidenen Lager kein weiterer Stoff finden ließ, der meine Vorstellungen von Farbe (tiefdunkelblau) und Festigkeit (mindestens mittelfest, ohne Stretch) erfüllte. Aber da ich ihn nun direkt verarbeitet habe, wurde meinem Lager zumindest kein Neuzugang hinzugefügt, was auch schon ein Erfolg ist!

Die Ziernähte habe ich mit einem Gütermann-Quiltgarn abgesteppt. Mit normalem Nähgarn steppe ich die Ziernähte immer mit dem Dreifach-Geradstich, damit sie sichtbarer und plastischer sind; mit dem Quiltgarn habe ich es bei einem Geradstich in Länge 3,5 belassen. Die Oberfadenspannung musste ich auf 6 raufdrehen; als Unterfaden habe ich farblich passende Nähgarn verwendet; Nadelstärke 90. Ich hoffe, die Baumwolle überlebt die Belastung durch das Tragen, aber der Faden macht einen äusserst stabilen Eindruck.

Am Donnerstag Abend habe ich zugeschnitten, am Freitag Abend den Reißverschluss und die Hälfte der vorderen Taschen fertig gestellt. Gestern und heute folgte dann jeweils ein halber Tag konzentriertes Arbeiten, und jetzt ist er tatsächlich schon trage-fertig.

Das Muster auf den rückwärtigen Taschen habe ich durch googlen gefunden und mit einem Zierstich nachgemacht. Hier nochmal im Detail:

Durch meinen steil abfallenden Hüft“bogen“ rutscht er mir trotz allem etwas zu tief auf die Hüfte für meinen Geschmack. Im Sommer ist das bestimmt hilfreich; jetzt gerade hätte ich es gerne einen Tick höher. Ich trage meine Unterteile sonst auch nicht so hüftig; es fühlt sich sehr ungewohnt an. Ich habe noch Gürtelschlaufen zugeschnitten, die ich wohl auch noch aufnähen werde.

Mein Ziel, jeden Monat ein Teil zu nähen, habe ich damit auch in letzter Minute erfüllt. Wenn ich in dem Tempo weiter nähe, schaffe ich es, bis Jahresende sage und schreibe zehn weitere Stoffe aus meinem Vorrat abzubauen. Das ist noch nicht mal ein halbes Regalbrett. Am liebsten würde ich ein ganzes Brett leer nähen – mal sehen, wie die Bilanz zu Silvester aussieht!

Der Rock wurde heute am frühen Nachmittag fertig, und eine halbe Stunde später war ich dann schon bei schönstem Sonnenschein auf dem Weg zum Stoffmarkt Holland in Hamburg Alsterdorf. (Ohne den Rock, dafür war es mir zu kalt!) Als ich um drei Uhr dort ankam, hatten sich die großen Menschenmassen anscheinend schon verlaufen; es war immer noch voll, aber nicht das rücksichtslose, dichte Gedrängel, das man vor Mittag oft bei diesen Märkten antrifft. Sehr angenehm! Und das Angebot war immer noch groß genug; bis zum Schlusspfiff waren es ja noch zwei Stunden Zeit.

Ich brauche keinen Stoff, ich brauche keinen Stoff, ich brauche keinen Stoff… *murmel* Es gab einige ganz hübsche Stöffchen, aber da mein Regal aus allen Nähten platzt, bewahrte mich mein Mantra vor den größten Ausrutschern. Aber dann war es doch um mich geschehen, als ich den allerschönsten Stoff auf dem ganzen Markt erblickte:

Ist der nicht absolut göttlich?! An dem Fahrrad-Motiv führte einfach kein Weg vorbei!

Leider ist das Motiv wohl zu breit für mich, als dass ich es komplett auf einem Vorderteil unterbringen könnte, ohne dass es an Wirkung verliert. Mal sehen, wie es aussieht, wenn ich es mittig durchschneide; drückt mir die Daumen!

Weiter sind mir noch zwei Schablonen in die Einkaufstasche gehüpft (eine für mich, eine für einen ganz speziellen kleinen Jungen; ratet, welche) sowie eine Nähzeitschrift.

Anschließend habe ich mich noch mit zwei Hobbyschneider-Freundinnen auf einen gemütlichen Plausch getroffen und Ideen, Inspirationen und Informationen ausgetauscht; das war sehr schön!

So könnte jedes Wochenende sein!

Kaum ist der erste Monat des neues Jahres rum, habe ich auch schon ein neues Kleidungsstück fertig gestellt! 😉

Schnittquelle „Padova“, hier mit einem schwarzen Unterzieh-Shirt getragen

Für dieses Jahr habe ich mir verschärften Stoff-Abbau vorgenommen. Das ist gar nicht so einfach, wie man sich das vorstellt. Obwohl ich mehr Stoffe hier liegen habe, als ich mich traue, zu zählen, mehrere Burda-Jahrgänge und andere Zeitschriften sowie viele Einzelschnittmuster, habe ich immer wieder Probleme, Stoff und Schnitt zu matchen.

Ich hatte hier zum Beispiel einen Jersey liegen, den ich *rotwerd* schon im Jahr 2007 gekauft hatte. Ich hätte schwören können, dass ich den höchstens drei, vier Jahre hier liegen hatte, komisch!

Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Stoff schon aus dem Regal gezogen und mir übergeworfen habe, in der Hoffnung, endlich die zündende Inspiration für einen Schnitt zu finden. Verschiedene Faktoren machten das schwierig: Ein schlichtes T-Shirt, z.B. nach Jalie 2012, war mir zu langweilig. Außerdem wollte ich gerne die Streifen interessant verarbeiten. Aber ich hatte nur einen Meter von dem Stoff gekauft (schwerer Fehler!), so dass alle Schnitte, die die Streifen gemischt oder schräg verarbeiteten, viel mehr Stoff benötigten, als mir zur Verfügung stand. Außerdem hatte der Stoff mit Grau, Schwarz und Silber zwar genau „meine“ Farben, aber mir fehlte trotzdem etwas der Kontrast; so für sich fand ich ihn dann doch zu trist. Gar nicht so einfach, alle diese Anforderungen unter einen Hut zu bringen; daher verlief meine Suche jahrelang im Sande.

Dann hatte ich mich neulich bei meinem Lieblings-Anbieter für Jersey-Schnitte, Schnittquelle, noch einmal auf eine intensive Suche begeben, und fand den Schnitt Padova, der mit einer Angabe von 1,35 m zumindest in die Nähe kam. Und durch geschicktes Auflegen kann man ja oft noch etwas sparen. Also bestellte ich mir den mal.

Beim Kopieren stellte ich dann fest, dass ich ihn im Originalzustand niemals aus meinem einen Meter heraus kriegen könnte, aber dann las ich die Angabe zur Gesamtlänge – 69 cm ist definitiv zu viel für mich! Nachdem ich den Schnitt um 10 cm in der Länge gekürzt und den Bundstreifen um 4 cm verschmälerte, hatte, ging es sich dann gerade so aus, aber wirklich haarscharf!

Das Nähen stellte mich dann vor unerwartete Herausforderungen. Neulich im Forum brachte mich ein Beitrag auf die Idee, außenliegende, abgesteppte Overlock-Nähte in Kontrastfarbe zu verwenden. Das war genau die richtige Idee, um den sportlichen Charakter des Schnitts zu betonen, und das Extra an Kontrast hinein zu bringen, das ich bei dem Stoff vermisste.

Das Nähen mit der Overlock war kein Problem, aber die Nähte dann von rechts abzusteppen, brachte mich bzw. die Nähmaschine, an die Grenzen. Mit dem Standard-Fuß und eingeschaltetem Obertransport – der mir sonst alles vom Teller zieht – funktionierte es wider Erwarten gar nicht. Ohne IDT ging es besser, aber auch nicht optimal. Mit dem Strickkanten-Fuss funktionierte es dann endlich; der hat eine Aussparung unter dem Fuß, in der die Nahtzugaben entlang laufen konnten, ohne den Transport zu behindern.

Das nächste Problem waren die Amausschnitte. Laut Anleitung sollte man einfach die Nahtzugabe nach innen klappen und absteppen. Diese Vorgehensweise stimmt mich grundsätzlich skeptisch, da das Umklappen einer Rundung nach innen nicht so gut funktioniert, obwohl es in Jersey natürlich noch eher geht als in einem nicht-elastischen Material. Speziell bei diesem Schnitt ist die Unterarm-Rundung auch sehr eng, so dass ich mir beim besten Willen nicht vorstellen konnte, wie man das faltenfrei absteppen können soll.

Ich habe mich dann nach mehreren Fehlversuchen für die einfache Version der aufwendigeren Schrägband-Einfassung entschieden: Schrägband rechts auf rechts aufnähen, umklappen, die Nahtzugaben vorher in der Rundung einschneiden, im Nahtschatten noch mal absteppen, überstehende Nahtzugabe des Schrägstreifens innen vorsichtig abschneiden.

Die letzte große Herausforderung war die Kapuze. Diese wird im Original mit einer französischen Naht/Rechts-Links-Naht genäht, und die Nahtzugabe wird nach innen geklappt und nochmals abgesteppt. In meinem Jersey wäre das zum einen zu dick geworden für meinen Geschmack, und das mehrfache Absteppen im schrägen Fadenlauf hätte die Kanten viel zu stark ausgedehnt. Das Teil war so! kurz davor, ein weiteres Ufo zu werden, aber ich wollte jetzt nicht mehr aufgeben. Nach tagelangem Nachdenken kam ich dann auf die einfache Idee, die außenliegenden Nahtzugaben – die erste links-auf-links-Naht hatte ich schon gemacht – mit einem Streifen Jersey abzudecken und den ebenfalls in Kontrastfarbe abzusteppen. Auch hier brauchte ich zwei Streifen und mehrere Anläufe, um endlich zu einem optisch und technisch zufriedenstellendem Ergebnis zu kommen, aber nun ist das Teil so weit, dass ich mich damit auf die Straße traue!

Selten habe ich den Nahttrenner so oft benutzt wie bei diesem Teil, und das dann noch in Jersey. Kein reines Vergnügen, aber mein Ehrgeiz, keine Ufos mehr zu produzieren, hat den Sieg davon getragen, hurra!

Wenn ich mich nicht eigens dazu verabredet hätte, hätte ich bei dem Regenwetter und einer recht kurzen Nacht heute Morgen vermutlich nicht so gerne das kuschelige Bett verlassen. Aber die Aussicht auf nette Gesellschaft bei einem einmaligen Ereignis hat mir das Aufstehen dann doch sehr leicht gemacht.

An diesem Wochenende veranstaltet das Hamburger Opernhaus nämlich seinen jährlichen Kostümverkauf, bei dem nicht mehr benötigte Kostüme aus den letzten Produktionen verkauft werden.

Jeder, der sich irgendwie mit dem Anfertigen von Kostümen, für welche Zwecke auch immer, beschäftigt, kennt diesen Termin natürlich. Und in Zeiten, da so etwas auch bei Facebook etc. veröffentlicht wird, war zu erwarten, dass der Andrang entsprechend groß sein würde. Und so war es dann auch: (kurzer Ausschnitt der Warteschlange)

Trotz des Regenwetters war die Stimmung in der Schlange – die im Inneren des Gebäudes noch eine Treppe höher geht; dort steht man aber wenigstens warm und trocken – sehr entspannt. Auch im Inneren war es trotz des Andrangs jederzeit möglich, sich die Sachen etwas genauer anzusehen, und jeder ist zu einem Gespräch, einem Scherz, einem wohlwollenden Blick auf die Anprobe der anderen bereit. Im Gegensatz zu Events wie dem Holland Stoffmarkt, wo man teilweise froh sein kann, ohne blaue Flecken wieder aus dem Gewühl zu kommen, ging es hier erfreulich zivilisiert zu. Das liegt zum Teil vermutlich auch daran, dass der Einlass limitiert ist; wenn eine bestimmte Besuchergrenze erreicht ist, kommen neue Leute erst dann wieder hinein, sobald jemand anders die Räume verlässt. So ist es niemals proppevoll; aber auch ganz allgemein machte das „Künstlervolk“ jederzeit einen entspannten Eindruck. (Und keine Angst, die „normalen“ Menschen waren, von der Bekleidung her zu urteilen, in der deutlichen Überzahl. Muggels welcome!)

Jeder Herausgehende wird neugierig beäugt; einige trugen ihre Beute, wie z.B. ausgefallene Hüte, direkt am Körper und genossen das wohlwollende Feedback der wartenden Masse; viele hatten eine oder mehrere Tüten in der Hand, und blaue, prall gefüllte Müllsäcke waren die beliebteste Transportmethode.

Pro-Tipp: Bereits 30 bis 60 Minuten vor Öffnungszeit ankommen, sichert die Aussicht auf sofortigen Einlass bei Öffnung und die Möglichkeit, die besten Stücke abzugreifen. Bei schlechtem Wetter empfiehlt sich warme Kleidung und ein heißes Getränk im Thermosbecher für die Wartezeit. – Auf Schirme sollte man allerdings verzichten; die wartende Menge hatte immer viel Spaß an den Besuchern, die nach Verlassen noch einmal die Treppe hochgespurtet kamen, um ihren liegen gelassenen Schirm zu greifen. Oder das Kind…

Die Kleidungsstücke hängen auf zahlreichen Garderobenständern; nach „Themen“ geordnet, meist in mehr- bis zig-facher Ausfertigung. Die Mischung ist äußerst bunt: Von fertiger Kaufkleidung, die kaum oder wenig modifiziert ist (z.B. Eterna- und Seidensticker-Hemden), über Berufsbekleidung – zehn kanariengelbe Jogginghosen, anyone? – bis zu den ausgefallensten, handgefertigten großen Roben ist alles dabei.

Prinzessinnenkleider gibt es ebenso wie Bösewichter-Mäntel:

Folklore-Kleidung:

ebenso wie aufwendige Masken: (Kopf um 180 Grad drehen)

oder Taschen mit „Mehrwert“:

Und auch Stücke, bei denen ich mir noch nicht einmal vorstellen kann, was sie darstellen sollen und an welchem Körperteil sie getragen werden:

Bei den selbst angefertigten Stücken ist oft der Titel des Stücks und der Name der Rolle und des Schauspielers eingenäht, der es getragen hat. Bei einigen Teilen waren auch Zettel mit rudimentären Daten wie Brustumfang etc. angeheftet, bei den meisten Teilen jedoch nicht. Es sind auch Umkleiden vorhanden, so dass man jederzeit ein Teil anprobieren kann; auch Spiegel sind in den Räumen verteilt.

Pro-Tipp: Beim nächsten Mal ein Maßband mitnehmen!

Neben Kleidung gibt es auch zahlreiche Accessoires, wie Stulpen, Handschuhe, Mützen, BHs und andere Unterkleidung, Handtaschen und Schmuck. Auch Schuhe gibt es reichlich:

Wobei diese, genau wie die Kleidung auch, meist sehr deutliche Tragespuren aufweisen. Für die Ewigkeit sind diese Kostüme erkennbar nicht gemacht, und so mancher rohe Saum scheint der simplen Tatsache geschuldet zu sein, dass man das von den Rängen aus sowieso nicht genauer erkennen kann. Welche Illusionen eine Bühne, Licht und viel Make up doch so alles zaubern können!

Besonders beliebt und extrem schnell vergriffen (mittags war schon alles weg) waren die aufwendigen Masken/Hauben mit großen Hörnern aller Art. Die Sehnsucht nach einem starkem tierischem „Totem“ scheint durch alle Kulturen ungebrochen groß zu sein. Daneben gibt es zahlreiche weitere Masken von einfachster bis sehr aufwendiger Bauart, außerdem eine erkleckliche Anzahl an Perücken und Haarteilen. (Die in den meisten Fällen eine Wäsche und Neufrisur erfordern.) Auch hier ist viel Fertigware dabei, die man in jedem Karnevals-Laden finden kann, aber eben auch sehr interessante Eigenkreationen.

Wer nicht erwartet, einwandfreie, sauberste Ware mit handelsüblichen Kleidergrößen wie aus dem professionellen Kostümverleih zu finden, sondern sich auf das Unerwartete, Auffällige, Inspirierende einlässt, ist hier gut bedient. Was einen anspricht, sollte man auf jeden Fall einmal überwerfen und einen Blick in den Spiegel riskieren; man erlebt vielleicht eine positive Überraschung.

Neben fertiger Kleidung und Accessoires gibt es außerdem mehrere Kästen mit bunt gemischten Stoff-Rollen, sowie einige Bänder und andere Kurzwaren. Ich bin keine Expertin, aber mir schien, dass es all diese Stoffe auch bei den einschlägen Groß-Händlern wie Mahler oder Gädtke geben müsste – die vermutlich auch zu den Lieferanten des Opernhauses zählen? Auf die Preise habe ich darum nicht geachtet, da ich auch genug hier liegen habe; es dürfte etwas preiswerter sein als dort gekauft, dafür ist das Angebot natürlich eine Wundertüte.

Ich selbst bin mit € 2,50 für zwei Stulpen und ein Haarteil sehr preiswert davon gekommen; von den Kostümen hat mich tatsächlich kein einziges so angesprochen, dass ich mich spontan verliebt hätte. Diese Kleinteile haben in mir aber sofort die Inspiration neu entfacht, mir dazu passende Kostüme zu nähen, die sowieso schon seit längerem auf meiner inneren to-do-Liste stehen.

Jeder, ob mit oder ohne Tüte in der Hand, verlässt diesen Laden mit leuchtenden Augen; soviel kann ich, glaube ich, versprechen!

Ganz wichtiger Tipp zum Schluss: Nur Barzahlung! Die Preise reichen von € 0,50 bis in den mittleren dreistelligen Bereich.

Ein schnelles Erfolgserlebnis für Zwischendurch: Ein zweites Schlafshirt nach dem bereits bewährten Schnitt # 113 aus der Burda Dezember 2008 (damals, als sie noch Burda Modemagazin hieß).

Der Stoff, ein bedruckter Viskose-Jersey der dünneren Sorte, ist jetzt auch schon gut vier Jahre abgehangen und nun endlich verarbeitet. Damit zählt dieses Projekt unbedingt zum UWYH mit!

Mit den Raglanärmeln lässt sich das Modell schnell zusammen nähen. Aufwendiger war dann nur die Einfassung des Halsausschnitts mit einem Dessousgummi mit Herzchen (ebenfalls aus dem Bestand) und das Einfassen des geschlitzten Saums mit einem Streifen aus dem Oberstoff. Hier ein Detailfoto des Einfassgummis; ist das nicht süß mit den Herzchen?

Der Stoff ist sehr weich und etwas dünner als die meisten meiner anderen Viskose-Jerseys. Zum Tragen als Nachthemd sehr gut geeignet, zum Vernähen etwas fuddelig. Die eingelegten Falten am Halsausschnitt sind mir trotz vorherigen Fixierens mit einem Steppstich beim Einfassen etwas weggerutscht auf einer Seite. Da werde ich das nächste Mal auch während des Nähens mit Tesafilm arbeiten, wenn ich dran denke. Aber für ein Nachthemd reichte mir das quick and dirty wieder mal völlig aus.

Der Jersey war etwas (mehr) verzogen, und das Druckmuster der Schmetterlinge läuft nicht genau senkrecht zu den feinen, schwarz-weißen Querstreifen, sondern leicht schräg, was das Zuschneiden zu einem ziemlichen Nervenkrieg gemacht hat. Außerdem gab es in der Nähe des oberen Rands ein zwei handbreit großes, ausgestanztes Loch im Stoff; anscheinend hatte sich dort jemand ein paar Schmetterlinge herausgeschnitten. Die Verkäuferin war etwas überrascht beim Abrollen und hatte mir den Verschnitt kostenfrei dazu gegeben. Wegen all dieser Hindernisse habe ich jedenfalls kaum noch etwas übrig von den gut anderthalb Metern; vielleicht reicht es noch für ein Vorderteil im Mustermix, mal sehen.

Nun ist ein weiterer Vorrat erfolgreich und tragbar verarbeitet; das finde ich gut! 🙂

Da ich mit meinen Näh-Plänen für nützliche Kleidung sowieso seit Jahren hoffnungslos im Rückstand bin – Hosen! Blusen! – hatte ich mir vor, ähem, zwei Jahren den Spaß gegönnt, etwas völlig Sinnbefreites zu nähen.

Seit ich den vor nunmehr vier sechs Jahren im Burda Magazin gesehen hatte, ging er mir nicht mehr aus dem Kopf. Ist ja sonst nicht so meins, so Deko, aber das war einfach zu abgefahren!

burdastyle.de – Hits für Kids 4/2009
(zweites Bild)

Ich wusste auch schon, welchen Stoff ich dafür verwenden wollte, nämlich einen rot-weiß-karierten Vichy, den ich im Vorjahr in Paris erstanden hatte. Ich liebe dieses Dekor, aber der Stoff selbst stellte sich nach dem Waschen als etwas rauher und knitteriger heraus, als ich es für Kleidung bevorzuge. Für Deko ist das ja aber egal.

Das Nähen und Ausstopfen war nicht weiter problematisch. (Übrigens ganz erstaunlich, wieviel Füllwatte und Stoffreste so ein Teil fressen kann!)

Die erste größere Hürde waren die beiden Geweihstangen. Wie bekommt man die dazu, in der gewünschten Position abzustehen? Nur fest stopfen und annähen brachte jedenfalls kein brauchbares Ergebnis. Dann habe ich im Baumarkt nach einer dünnen, festen Metallstange gesucht, aber die waren entweder zu dünn-drahtig um ausreichend Stand zu bringen, oder so stabil-dick, dass sie sich zumindest nachträglich nicht mehr in die Geweihe bugsieren lassen wollten.

Ich habe dann zu den langen Schaschlik-Stäben aus Holz gegriffen. Die wollte ich eigentlich nicht verwenden, weil das zu leicht abbrechen kann, aber das war das einzige Material, was sich noch nachträglich in die Füllwatte bohren ließ.

Für die hübschen braunen Augen habe ich etwas länger gesucht, bis ich auf die schönen Glasaugen aus dem Teddybär-Bastelbedarf gestoßen bin. Etwas teurer, aber ihr Geld wert, weil die Augen so schön echt aussehen! Meine Version hat einen längeren, festen Draht am Ende, den ich einfach in den Stoff gesteckt habe, ohne weitere Befestigung; fällt ja nicht in Kinderhände. Darunter künstliche Wimpern aus der Ersatzteil-Ecke des Drogeriemarktes.

Im Anschluss jedoch die nächste Hürde: Wie aufhängen? Denn ich wollte das Teil nicht als Steckenpferd, sondern an die Wand tackern. So richtig klassisch im Jäger-Stil mit Pseudo-Holzscheibe drunter wäre ja cool, aber da stellte sich auch wieder die Frage, wie aufbringen? Ich kam zu keinem rechten Ergebnis, und so lag dieser hübsche Kopf dann fast zwei Jahre in meinem Nähzimmer, und natürlich brachen die Schaschlik-Stäbe innen beim ersten Sturz vom Stuhl durch. Hm…

Vor kurzem sprach ich mit einem professionellen Tierpräparator über dieses Problem, und seine Idee war es, hinten rückwärtig eine dünne Spanplatte einzubringen. Aber ich hatte ja schon alles zugenäht und wollte da nicht noch mal ran. Also wieder zurück gestellt.

Vor ein paar Wochen traf mich dann der Inspirationsblitz bei einer völlig anderen Tätigkeit, wie das immer so ist: Aufhängen!

Ein stabiler Mantelaufhänger fand sich noch in meiner reichhaltigen Kurzwaren-Sammlung und so habe ich diesen kurzerhand von Hand an den Hinterkopf des Burschen genäht, einen laaangen Haken in die Zimmerecke gehämmert und da hängt das Köpfchen jetzt kurz unter der Decke und hat den besten Ausblick auf mein Treiben im Nähzimmer. So ein paar Augen an der Wand soll ja ein prima Mittel zur sozialen Kontrolle sein, also habe ich ihm die Aufgabe übertragen, mich zum Nähen meiner Stoffberge zu motivieren und vom Kauf neuer Stoffe abzuhalten. (Scheint auch schon zu wirken; dazu in den folgenden Tagen mehr.)

Netter Nebeneffekt: Die Geweihstangen stützen sich an der Wand ab, so dass ich mich um diesen Punkt vorerst auch nicht mehr kümmern muss. 😀

.. oder vielmehr, meine Schätze:

Am Wochenende hat die Nähmesse in Hamburg stattgefunden. Darauf aufmerksam wurde ich über die Werbung im ÖPNV; dort wurde der Wettbewerb Das Hamburger Nähtalent, bei dem man ein selbstgenähtes Kleidungsstück einreichen kann, beworben. Ich hatte gleich eine hübsche Idee, aber der Zeitmangel verbot es mir, an die Teilnahme auch nur zu denken. Aber die Idee ist gespeichert; mal sehen.

Die Nähmesse bezeichnet sich ziemlich selbstbewusst als „einziges Event“ in Deutschland, das ein umfassendes Angebot für Neueinsteiger und Profis bietet. Das bezieht sich hauptsächlich auf das Workshop-Angebot der beiden Tage, das unbestritten sehr vielfältig war: Vom Dessous nähen über Taschen, Röcke, Loops bis zu speziellen Verarbeitungstechniken wie Schrägstreifen und Paspeln ist alles dabei. Über 50 Workshops (einige davon mehrmals) an den zwei Tagen, das dürfte wirklich nicht so schnell zu toppen sein!

Mich selbst haben, wie meistens, mehr die Stoffhändler interessiert; gut 30 an der Zahl. Viele aus Land und Umland, aber auch einige von auswärts; und eine gute Mischung an Stoffen und Zubehör. Konkret gesucht habe ich zwei graue Stoffe für ein ganz besonderes Kindersweatshirt, sowie einen Ergänzungsstoff für mich, einen Jersey als Bund für eine Leinenhose. Da wurde ich auch in allem fündig:

Links oben im Bild seht ihr die zwei grauen Stoffe; zwei ganz wunderweiche Bio-Jerseys vom Pumuckl Stoffversand mit kuscheliger Rückseite, genau richtig für den Zweck. Rechts daneben ein hellblauer Jersey. Ich habe ein blaues Glanzleinen, das ich derzeit gerne zu einer Leinenhose mit Jerseybund verarbeiten würde. Den passenden Blau-Ton zu finden ist so gut wie unmöglich. Auch der jetzige ist nicht so das Gelbe vom Ei; vielleicht weiche ich doch besser auf ein sehr helles Grau aus. Da muss Mahler mal zeigen, was die Palette zu bieten hat.

Dann haben mich außerplanmäßig noch zwei süße Stöffchen angesprungen, die „meins“ geschrien haben: Links unten ein Jersey mit Elfen-Aufdruck. Ich bin ja nun alles andere als der Rosa-Niedlich-Typ, aber dieses vergleichsweise schlichte Design hat mich spontan angesprochen. Es ist ein Rest von 0,5 Meter, und ich habe gerade schon einen speziellen, selbst entworfenen, Schnitt dafür in Arbeit. Lasst euch überraschen!

Ja, und dann ein weiterer Digitaldruck, wie sie gerade immer noch so schwer in Mode sind, und lustigerweise auch wieder mit einem Vogel-Motiv. Ich habe schon zwei andere Digitaldruck-Jerseys, einer mit Flamingos, einer mit Papageien. Bunte Vögel bieten sich als Motiv für diese Technik ja wirklich an, und mit dem schwarzen Untergrund hier kommen die Farben so richtig knallig raus, genau richtig für mich. Da war einfach kein Liegenlassen möglich! Mitgenommen habe ich ihn von Niccoel.

Tja, und dann… kam ich am Stand von „Knopf Jakob“ vorbei (leider ohne Website!). Und da war es schon wieder und ganz unerwartet um mich geschehen:

Dreißiger Jahre Art deco-Knöpfe und Brosche. Ori-gi-nal! Seit einiger Zeit schon schwirrt mir der Gedanke an ein Flapper-Kleid im Kopf herum, und diese Knöpfe haben spontan ein Bild von dem Kleid mit Knöpfen und Brosche und passender Tasche vor meinem inneren Auge erstehen lassen. Es kann sich nur noch um Jahre handeln, bis ich dazu komme, auch diesen Traum zu verwirklichen, aber wenn es dann endlich soweit ist, bin ich bestens vorbereitet, ha! 😀

Hier findet man übrigens einen sehr interessanten Artikel über einen der Eigentümer, Reinhold Jakob:
http://www.buerstaedter-zeitung.de/lokales/buerstadt/lebenslauf-wie-vor-100-jahren_14515496.htm

Der Weg zur Messe war lang, da sie von uns aus fast am entgegen gesetzten Ende dieses Landes liegt; ich habe über eine Stunde gebraucht, um von Bergedorf nach Schnelsen zu kommen. Diese Location kannte ich noch gar nicht, und so war es bei dem guten Wetter auch mal ganz interessant, noch ganz fremde Stadtteile zu bereisen, von denen wir hier ja mit 150 an der Zahl reich gesegnet sind. Der Weg hat sich auf jeden Fall sehr gelohnt!

Und ich habe tatsächlich in den letzten Wochen noch ein genähtes Teil fertig stellen können:

Ein Shirt nach meinem inzwischen recht beliebten Schnitt Jalie 2793, hier in einer gekürzten Version als Shirt, wieder ohne Bindebänder. Beim Zuschnitt musste ich stückeln, und die Ärmel mit einer mittleren Naht zuschneiden, und deren Rückseite sieht auch anders aus als die Vorderseite, sonst „wäre es sich nicht ausgegangen“, wie meine Freunde aus Österreich das immer so liebenswert formulieren. Aber im Stückeln bin ich ganz gut und mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden!

Bitte entschuldigt das schlechte Handybild; aber im Moment ist meine Devise, lieber überhaupt ein Foto als gar keines… 🙂

Ein schnelles, kleines Projekt, das mir völlig ungeplant zwischen die Finger kam, ist diese einfache Abdeck-Haube für unsere Küchenmaschine.

Eigentlich hatte ich den Hamburger Stoffladen „Fadenlauf„, den ich noch nicht kannte, aufgesucht, um mich über die Nähmöbel von Rauschenberger näher zu informieren. Nach dem ausführlichen Gespräch, für das der engagierte Mitarbeiter sogar extra bei RMF anrief, um eine meiner Fragen klären zu können, stöberte ich noch durch die reichhaltige Stoff-Auswahl. Hier hat es wirklich alles, was das Herz begehrt; Kinderstoffe, Damenstoffe, sehr schöne Jerseys, Biostoffe, Quilt- und Patchwork, die Auswahl war unüberschaubar.

Da ich eigentlich nicht noch mehr Stoffe brauche 😉 ließ ich die Verlockungen auf den Ballen liegen. Aber bei den Rest-Stücken wurde ich dann unerwartet schwach – normalerweise gehöre ich so gar nicht zum Typus Schnäppchenjäger. Aber dieser Jersey hier, genau meine Farben, tolles Muster, die Menge ausreichend für ein Shirt, der musste mit. Und hier eine Seide, auch genau meins, ausreichend für ein luftiges Oberteil – gute Qualität zum günstigen Preis, wer kann da schon Nein sagen? Und dann fiel mir noch ein Stück intensiv-blaues Mischgewebe in die Hände; von der Menge her gerade ausreichend für die Haube, die schon seit 10 Jahren auf meiner inneren to-do-Liste steht, und für 3 Euro – klarer Fall!

Und manchmal schaffe ich es ja sogar, einen Stoff auch sehr schnell zu verarbeiten. Gewaschen und getrocknet war die neue Beute schnell bei dem Wetter, und weil ich nach dem langwierigen Hosenrock-Projekt mal wieder Lust auf ein schnelles Erfolgserlebnis hatte, habe ich mir kurzerhand das Maßband geschnappt und die Küchenmaschine ausgemessen. Ein Päckchen rotes Nahtband fand sich in meinen ererbten Vorräten, perfekt. Damit wurde es wenigstens zur Hälfte zum UWYH-Projekt.

Genäht war das Teil recht schnell; ein durchgehender Streifen für das Mittelteil, zwei Seitenteile eingesetzt. Nahtzugaben nach außen und Nähte und Saum mit dem Nahtband eingefasst, schon fertig. Ein kleiner Henkel obendran, damit man sie leicht abnehmen kann. Innerhalb von etwa drei Stunden hatte ich ein weiteres Problem mit Stoff gelöst; die Küchenmaschine hat jetzt eine vernünftige Abdeckung, die sie vor dem küchen-üblichen Staub und Fettfilm schützt – perfekt! 😀

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